Zum Vorstellungsgespräche laden Unternehmen interessante Bewerber ein, um sie direkt und live zu erleben. Dabei besteht die Möglichkeit die schriftlichen Ausführungen zu erweitern und auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. In diesem Zusammenhang erhalten die Kandidaten die Chance zur Selbstpräsentation. Tatsächlich sollte das Bewerbungsgespräch komplett als Selbstpräsentation verstanden werden. Es wird bereits mit Abstellen des Autos auf dem Firmengelände beobachtet, wie sich Bewerber präsentieren. In jeder Sekunde wird nachgeforscht, ob aus dem Bewerber ein geeigneter Mitarbeiter werden kann. Daher ist das Vorstellungsgespräch eine Fortführung der Präsentation in anderer Form. 

Selbstpräsentation aus Sicht der Personaler

Junger Mann macht KarriereNach Durchsicht der schriftlichen Bewerbungen mit Anschreiben und Lebensläufen werden die Kandidaten eingeladen, die nach dieser Vorauswahl als Mitarbeiter in Betracht kommen können. Zuvor muss überprüft werden, ob die Angaben in der Bewerbung der Wahrheit entsprechen. Außerdem fehlt noch der Eindruck von den Personen im direkten Kontakt. Weiterhin werden noch einige Fragen verschiedener Art offen sein. Im Einzelnen gilt es zu prüfen,

  • ob die angegebenen Daten im Lebenslauf plausibel sind.
  • ob ein ernsthaftes Interesse seitens des Kandidaten an der Firma existiert.
  • ob sich Lücken im Lebenslauf aufdecken lassen.
  • ob die Kandidaten ausreichendes Selbstbewusstsein besitzen.
  • ob Kandidaten irritierende Punkte ihres Lebens plausibel erklären können.
  • ob die beschriebenen Fachkenntnisse tatsächlich hinreichend vorhanden sind.

Wer in seiner schriftlichen Bewerbung zu dick aufgetragen hat, wird im Vorstellungsgespräch Farbe bekennen müssen. Dann wird aus einem strahlenden Ritter schnell ein fußkranker Landsknecht. Zudem wird sich auch ein Personaler nicht vollständig von Vorurteilen befreit haben können. So wird eine Selbstpräsentation von Frauen immer noch anders gewertet als von Männern. Von Männern wird oft erwartet, dass sie weniger bescheiden auftreten, während Frauen mehr Emotionen zugeschrieben werden. Dies ist nach Branchen unterschiedlich, wie sich auch Berufsbilder unterschiedlich darstellen lassen. In der Vorbereitung auf eine Selbstpräsentation sollten Bewerber auch dieses Detail berücksichtigen.

Infografik: Frauendomänen – Männerdomänen | Statista

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Vorbereitung auf die freie Selbstpräsentation

Personaler mit selbstbewusstem Kandidaten

Personaler mit selbstbewusstem Kandidaten

Nach der Begrüßung und Smalltalk erhalten Kandidaten im Vorstellungsgespräch die Gelegenheit zur freien Rede, um sich selbst vorzustellen und zu präsentieren. Anschließend beginnt die Fragerunde. Diesen freien Teil muss jeder Bewerber besonders gut nutzen, da er ohne Zwischenfragen sprechen kann. Auch wenn dieser Part zeitlich sehr kurz zu halten ist, sollten hier die wesentlichen Punkte untergebracht werden und in geeigneter Form dargebracht werden. Da die freie Rede nicht jedem liegt, kann hier Übung vor geneigtem Publikum helfen. Halten Sie die Rede vor der Familie oder Freunden und lassen sich gründlich kritisieren, um die Rede zu verbessern.

Geben Sie der Selbstpräsentation eine Dramaturgie. Wie bei einer Erzählung oder einem Theaterstück sollte auch Ihre Präsentation aus einer Einleitung, einem größeren Hauptteil und einem kurzen Schlusswort bestehen. Planen Sie einen Vortrag von nicht mehr als sieben bis acht Minuten, wobei dies als maximale Obergrenze zu verstehen ist. In der Kürze liegt die Würze.

  1. Benutzen Sie den Lebenslauf als Wegweiser, ohne ihn selbst vorzutragen.
  2. Wählen Sie Etappen aus dem Lebenslauf, die für Sie richtungsweisend gewesen sind. Diese Punkte können Sie nun ausführlicher behandeln.
  3. Bauen Sie die Rede logisch auf, sodass sich plausible Übergänge zwischen den einzelnen Punkten ergeben. So schaffen Sie einen roten Faden, den Zuhörer verstehen und verfolgen können. Dies schafft Spannung und Interesse.
  4. Lassen Sie die Rede so enden, dass der logische Schluss entsteht, dass Sie hier im Unternehmen eingestellt werden.
  5. Kern der Rede sollte sein, was Sie sind, können und erreichen wollen. Bauen Sie die Rede in dieser Reihenfolge auf.
  6. Sie sind: Vorstellung mit Vor- und Zunamen, Alter, Ausbildung.
  7. Sie können: Vorstellung der wichtigsten Qualifikationen mit Beispielen aus Ihrer beruflichen Erfahrung.
  8. Sie wollen erreichen: Ihre Motivation zur Bewerbung genau bei dieser Firma mit Abgleich Ihrer Vorzüge und Stärken.

Die Selbstpräsentation vor Zuhörern

Wenn Ihre Rede ausformuliert ist, geht es um die Art des Vortrags. Zu vermeiden sind langweilige Phasen, die durch auswendiges Herunterrasseln entstehen. Üben Sie die Betonung und setzen Sie kurze Pausen ein. Ihr Publikum soll in Spannung gehalten werden.

  • Wählen Sie einen aktiven Sprachstil, indem Sie Ihre eigenen Kenntnisse auch als solche kennzeichnen.
  • Führen Sie nur Fakten an, die Sie im direkten Anschluss mit Beispielen belegen.
  • Verzichten Sie auf Floskeln und allgemeine Redewendungen, die nur Zeit beanspruchen. Kommen Sie immer schnell auf den Punkt.
  • Sprechen Sie Ihre Zuhörer direkt an.
  • Nehmen Sie d Blickkontakt zu den Zuhörern auf.
  • Unterstützen Sie die Rede mit Gesten, die aber nicht zu ausufernd sind.
  • Wählen Sie eine gehobene Wortwahl.
  • Sprechen Sie laut und deutlich.
  • Erwähnen Sie, was Sie begeistert hat. Zeigen Sie Ihre Begeisterung mit der Stimme und der Körperhaltung, damit die Begeisterung überspringt.
  • Lächeln Sie.
  • Üben Sie die Rede von Freunden oder einem Videogerät.

Verdrängen sollten Sie vor und während des Vortrags alle negativen Einflüsse. Denken Sie also konzentriert an Ihre Rede und den Auftritt. Verschieben Sie alle anderen Gedanken, die ablenken. Dann können Sie Fehler vermeiden.

  • Denken Sie nicht an Essen und Trinken, auch wenn Sie Appetit haben.
  • Halten Sie sich vor Augen, dass alle Schauspieler vor jedem Auftritt Lampenfieber empfinden, dann aber immer einen sehr gelungenen Auftritt zeigen.
  • Lassen Sie sich nicht anmoderieren. So wirken Sie selbstbewusster und werden erfolgreicher sein.
  • Vermeiden Sie Einschränkungen, um danach eine vermeidliche Stärke Ihrerseits vorzutragen. Also beginnen Sie keinen Satz mit: „ Ich möchte nicht angeben, aber…“ „Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ….“ „Ich möchte diese Firma nicht schlechtreden, aber …“ Damit erreichen Sie das Gegenteil, da Ihre Ausführungen dadurch zu stark nach Eigenlob riechen. Betonen Sie also niemals, was Sie nicht möchten, sondern erwähnen nur positiv, was Sie möchten.
  • Seien Sie unbescheiden. Betonen Sie deutlich Ihre Stärken und Vorzüge. Sie müssen andere von sich überzeugen. Dies gelingt im Vorstellungsgespräch nicht mit Bescheidenheit.