Gesprächssimulation mit 116 Fragen & Antworten

Vorstellungsgespräch Gesten: Diese Dominanzgesten sparen

Auftreten

Zuletzt aktualisiert am 17. August 2023

Ich warne dich

Ein großes Selbstbewusstsein zu besitzen, gilt als erstrebenswert. Es hilft, sich in der Gruppe durchzusetzen und auf sich aufmerksam zu machen. Fast jeder Mensch verfügt über ein Selbstbewusstsein, das immer gepaart mit eigenen Fähigkeiten daherkommt.

Was ich kann, das kann ich klar und selbstbewusst darstellen. Doch die direkten Nachbarn sind Dominanz, Aggressivität und Arroganz. Grenzüberschreitungen sind nicht selten. Wer von sich sehr überzeugt ist, legt leicht ein arrogantes, dominierendes oder aggressives Verhalten an den Tag. Dies drückt sich stark in der Körpersprache aus und ist damit leicht zu erkennen.

Dominanzgesten der Geschlechter

Jedes menschliche Wesen verfügt von Natur aus über Aggressivität, die benötigt wird, um sich gegen Angreifer wehren zu können. Wie stark diese Eigenschaft ausgeprägt ist, wird einerseits genetisch bestimmt und von der Erziehung und Sozialisation abhängen. Tendenziell besitzen Männer mehr aggressive Potentiale als Frauen und zeigen dies unabhängig von Erziehung und Erfahrung. Sie verfügen auch über mehr Körperkraft als Frauen und wenden diese eher an. Frauen neigen eher dazu, sich anderer Methoden zu bedienen, die von sehr dominanten Männern aus Unkenntnis oft als unterwürfig und devot eingestuft werden. Besonders gut lassen sich die Unterschiede in Stresssituationen erkennen. Aber auch Männer sind in der Lage, unterwürfig zu sein, wenn sie die Rolle eines führenden Menschen anerkennen.

Körpersprache dominanter Personen

Wenn dominantes Verhalten aggressiv gezeigt wird, ist die betreffende Person meist in einer Stresssituation und versucht sich mit dominanten Gesten zu verteidigen, wenn andere Mittel nicht zur Verfügung stehen. Im Vorstellungsgespräch werten Personaler ein solches Verhalten überwiegend als schlechte Vorbereitung und Teil einer unkontrollierten Persönlichkeit. Bewerber werden sich mit aggressiven dominanten Gesten nur schaden können.

Wie zeigt sich Dominanz?

  1. Sehr dominante Menschen zeigen Bewegungen, mit denen sie den Raum um sich möglichst vollständig einnehmen. Arme und Beine werden weit von sich gestreckt. Der Oberkörper wird übernatürlich gestreckt und beugt sich mal weit nach hinten oder besonders weit nach vorne. Auf dem Stuhl werden die Armlehnen komplett von den Armen verdeckt, oder die Arme und Hände werden breit auf den Tisch ausgebreitet.
  2. Die Mimik wirkt versteinert, wie es Pokerspieler zeigen. Dominanz lässt sich nicht gerne in die Karten schauen. Ohne Mimik wird dem Gegenüber zugehört, wobei tief in die Augen gestarrt wird. Der Gegenüber soll dadurch verunsichert werden. Unwissende Menschen lassen sich dadurch leicht beeindrucken und werden unsicher, da sie das dominante Gegenüber nicht einzuschätzen wissen.
  3. Sehr oft wird werden Beine und Arme offen ausgebreitet. Wird diese Gestik nur mäßig ausgelebt, zeigt sich die Dominanz von ihrer positiven Seite. Offenheit steht auch für Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft. Zu offen wird der Eindruck ins Negative wechseln und als Arroganz gewertet.
  4. Selbstbewusste und dominante Menschen sind in Stresssituationen ruhig und zeigen kaum Gesten wie Jucken, Kratzen, in den Haaren wühlen und hektische Bewegungen. Sie verhalten sich offen und abwartend. Ist die Dominanz aber nur aufgesetzt oder nicht mit gesundem Selbstbewusstsein gepaart, werden die dominanten Gesten stärker und aggressiver. Schnell und weit werden die Arme beim Sprechen bewegt, der Oberkörper nähert sich dem Gegenüber zu weit und die Beine stehen breit auseinander.
  5. Gerne berühren dominante Menschen andere auf eine Weise, die nur in der Hierarchie obenstehende Personen ungestraft anwenden dürfen. Andere Personen werden an der Schulter gehalten, am Arm geschoben und auf den Rücken geklopft. Diese Berührungen stehen ausschließlich Führungskräften zu, werden aber auch von denen nicht immer gern gesehen.

Aggressive Dominanz, die schadet

aggressiver Gorilla

aggressiver Gorilla

Wenn Sie sich auf eine Stellenanzeige bewerben, in der eine Führungskraft gesucht wird, oder eine führende Position angestrebt werden soll, sollten Sie über eine gesunde Dominanz verfügen. Diese Eigenschaft soll bei Besetzung der Stelle eingesetzt werden. Zeigen Sie während des Vorstellungsgesprächs eine Dominanz, die zudem aggressiv ausgeprägt ist, verschwenden Sie Ihre Kraft in der falschen Situation. Sie sollen Dominanz als persönliche Stärke belegen, diese aber nicht gegen den Personaler einsetzen. Dann belegen Sie lediglich, unter Stress Probleme zu bekommen und nicht gut vorbereitet zu sein.

So sollte Dominanz nicht gezeigt werden:

  • Ein besonders starker Händedruck bei der Begrüßung kann als Kampfansage gewertet werden. Übermäßiger Krafteinsatz wirkt aggressiv und wirkt bedrohlich.
  • Solange Sie stehen, sollten Sie vermeiden, Ihre Hände provozierend in die Seiten zu stemmen. Dadurch zeigen Sie ein Angriffsverhalten, das von Ihren sprachlichen Äußerungen ablenkt.
  • Mit breit ausgestreckten Beinen und geschwellter Brust wirken Sie wie ein Macho, der seine Dominanz prahlerisch zur Schau stellt, aber wenig Substanz besitzt. Diese Gestik und Körperhaltung wird zur Einschüchterung eingesetzt und ist im Vorstellungsgespräch unangebracht.
  • Mit starken Gesten der Arme sollten Sie Ihre Rede niemals unterstützen wollen. Die Zuhörer werden automatisch von diesen Bewegungen abgelenkt und Ihre verbale Äußerung bleibt fast ungehört.
  • Wenn zusätzlich die Beine weit auseinander gestreckt werden, übernimmt die Körperhaltung das Geschehen. Mimik und Gestik werden die Worte überdecken und als wesentlich wahrgenommen.

Die Folgen sind vorhersehbar. Sie verspielen Sympathiepunkte, wirken unvorbereitet und unkontrolliert und werden nicht sehr authentisch wirken können. Besonders im Zusammenhang mit Stressfragen werden Personaler ein solches Verhalten als negativ bewerten. Sie zeigen dann, dass Sie Stress kaum in Ruhe bewältigen können. Aus einem Selbstbewusstsein kann aggressive Dominanz schnell in Unkontrollierbarkeit ausarten.

Die anderen Gesten, auf die Personaler achten

Dominanz ist nur eine von mehreren Gestenfamilien, die im Gespräch gelesen werden. Erfahrene Personaler haben oft schon nach wenigen Minuten eine Einschätzung und nutzen den Rest des Termins, um sie zu überprüfen. Gerade Begrüßung, Small Talk und die ersten Fragen wiegen deshalb schwer – inhaltlich sagen die Worte dort noch wenig, die Körpersprache dafür umso mehr.

  1. Der Händedruck ist zu schlaff oder zu kräftig. Ein schlaffer Druck wirkt wenig selbstbewusst, ein übermäßig fester nervös oder selbstüberschätzend. Angenehm ist ein kräftiger Händedruck, der nicht sportlich gemeint ist.
  2. Der Augenkontakt fehlt. Das wirkt unsicher – und weil auch beim Lügen der Blick ausweicht, entstehen schnell Zweifel.
  3. Das Lächeln fehlt. Ohne Lächeln wirkt jemand verkrampft und unmotiviert. Kommt es auch im Verlauf nicht, entsteht keine Sympathie.
  4. Der Oberkörper klappt zusammen oder neigt sich weg. Das liest sich als negative Grundhaltung: Diese Bewerber trauen sich selbst wenig zu.
  5. Zappeln und Fummeln an Kleidung oder Stuhllehne zeigt Anspannung. Treten diese Gesten nur bei bestimmten Fragen auf, vermutet der Personaler dahinter einen wunden Punkt.
  6. Verschränkte Arme deuten auf Ablehnung, in Verbindung mit der Mimik auch auf Arroganz oder Langeweile.
  7. Ständiges Spielen mit den Haaren signalisiert Unsicherheit. Legt sich das nach wenigen Minuten nicht, gilt es nicht mehr als normale Nervosität.
  8. Hektische Arme mitten in einer Antwort. Wer plötzlich stark gestikuliert, wirkt, als reichten ihm die Worte allein nicht mehr.

Zu Beginn zeigen fast alle Bewerber einige dieser Gesten. Beruhigt sich das, fällt es kaum ins Gewicht. Zieht es sich durch das gesamte Gespräch, wird jeder Personaler misstrauisch. Wie Sie diese Anfangsnervosität in den Griff bekommen, lesen Sie unter Nervosität im Vorstellungsgespräch.

Stress- und Verlegenheitsgesten

Es gibt ein Wort, mit dem Personaler eine sorgfältig aufgebaute Selbstdarstellung ins Wanken bringen: „warum“. Warum haben Sie die Stelle gewechselt? Warum hat das Studium länger gedauert? Warum bewerben Sie sich hier, obwohl ein Umzug dazugehört? Jede dieser Fragen verlangt eine Begründung – und wenn sie einen wunden Punkt trifft, entsteht Stress. Die Absicht dahinter ist selten das Aufdecken einer Ungereimtheit. Der Personaler will sehen, wie Sie sich verhalten, wenn Sie unter Druck stehen.

Unvorbereitet verrät der Körper das sofort:

  • Der Oberkörper klappt förmlich zusammen.
  • Die Hände wandern zu Haaren, Ohrläppchen oder Nase.
  • Schweiß tritt auf die Stirn, die Hände werden feucht und werden gerieben.
  • Beine und Füße beginnen zu zappeln.
  • Die Augen werden erst groß und verengen sich dann.
  • Die Arme werden verschränkt oder abwehrend nach vorn gestreckt.
  • Die Stimme wird flacher und leiser, die Stimmlage steigt.
  • Die Gesten werden hektisch, die Hand greift zum Hals.

Treten davon auch nur einige auf, werden Ihre Antworten angezweifelt – selbst wenn Sie inhaltlich gut argumentieren. Sichtbare Bedrängnis überschreibt das Gesagte. Unproblematisch sind solche Zeichen dagegen zu Beginn des Gesprächs: Da zeigen sie fast alle, und wenn sie rasch vergehen, fragt kaum jemand nach.

So üben Sie die ruhige Haltung

Psychischen Stress auszuhalten lässt sich trainieren wie eine fachliche Fertigkeit. Gehen Sie dabei in zwei Schritten vor.

Erstens: die heiklen Fragen finden. Legen Sie die Stellenanzeige neben Ihren Lebenslauf und suchen Sie gezielt nach Punkten, an denen sich etwas geändert hat oder etwas länger gedauert hat als üblich. Stellen Sie sich selbst die Warum- und Wie-Fragen: Warum diese Note? Warum diese Phase länger? Warum dieser Berufswunsch, dieser Stellenwechsel, dieser Umzug? Warum fehlt eine Qualifikation noch, und wie wollen Sie die Lücke schließen? Nicht jede Frage trifft auf Sie zu – aber auf jede zutreffende sollte eine plausible Antwort bereitliegen.

Zweitens: die Antworten vor dem Spiegel geben. Stellen Sie sich die Fragen laut und beantworten Sie sie in ruhiger Haltung:

  1. Beine im rechten Winkel, ruhig auf dem Boden.
  2. Hände zunächst lose auf den Oberschenkeln.
  3. Oberkörper gerade.
  4. Ein leichtes, freundliches Lächeln.
  5. Diese Haltung beim Sprechen nur geringfügig verlassen.
  6. Arme und Hände nur sparsam bewegen.
  7. Alle Bewegungen ruhig und kontrolliert.
  8. Die Beine möglichst gar nicht bewegen.
  9. Die Hände wandern nicht ins Gesicht.
  10. Einem Juckreiz nicht nachgeben.

Je öfter Sie das durchgehen, desto selbstverständlicher wird die Haltung – bis Sie im Gespräch nicht mehr darüber nachdenken müssen.

Gesten bewusst einsetzen

Wer seine Körpersprache kennt, kann sie auch gezielt nutzen. Die Grundlage dafür ist Beobachtung: Setzen Sie sich in ein Café und deuten Sie die Menschen um sich herum, ohne ihre Worte zu hören. Beobachten Sie Freunde im Gespräch und fragen Sie hinterher, ob Ihre Einschätzung stimmte. Achten Sie darauf, welche Gestik auf Sie selbst überzeugend wirkt – und welche nicht.

Im Gespräch selbst genügen wenige bewusste Signale:

  • Zur Begrüßung ein mittelfester Händedruck, den Sie beherrschen.
  • Freundlicher Blickkontakt mit einem Lächeln, ohne zu starren.
  • Der Oberkörper leicht nach vorn geneigt – das zeigt Interesse.
  • Arme und Hände sparsam einsetzen. Wer wenig gestikuliert, vertraut erkennbar seinen Worten und wirkt überzeugender.
  • Beim Zuhören ruhen die Hände auf den Oberschenkeln.

Sparsame Gestik und deutliche Worte sind die Kombination, die im Vorstellungsgespräch trägt – das Gegenteil der Dominanzgesten vom Anfang dieses Beitrags. Wie stark dabei die Augen wirken, lesen Sie unter Körpersprache: die Augen.

Verantwortlich: Ömer Bekar  ·  Zuletzt redaktionell geprüft: 01.10.2026  ·  Zur Methodik
Redaktion vorstellungsgespraech.org

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