Aktiv, aufmerksam und interessiertes Zuhören

Wer hört, aber nicht zuhört, wird sich bald wie in einem Dschungel versetzt vorkommen, in dem ständig Geräusche wahrzunehmen sind, deren Bedeutung  nicht einfach zu erklären sind.

Um eine solche Situation nicht in einem Vorstellungsgespräch mit mehreren Personalchefs oder im Assessment-Center erleben zu müssen, wird Ihnen hier die Technik des aktiven Zuhörens nahegebracht. Sie werden erkennen, dass dabei ein großer Wert auf die offenen, geschlossenen und Alternativfragen gelegt wird. Aktiv zuhören heißt, Fragen nicht nur dem Inhalt gemäß zu verstehen lernen, sondern sie auch hinterfragen zu können.

Grundlagen des aktiven Zuhörens

Die Basis des aktiven Zuhörens geht auf die Forschungsergebnisse des amerikanischen Psychologen Rogers zurück und hat folgende Aspekte zum Ziel:

  • Abbau von Missverständnissen
  • Optimierung der Kommunikation zwischen Menschen
  • Öffnung für Einfühlsamkeit und Empathie
  • Vereinfachung der Regelung und Korrektur des eigenen Verhaltens
  • Probleme leichter zu lösen
  • Aus Kritik und Anregung zu lernen

Diese Ziele lassen sich erreichen, wenn der Zuhörer sich auch emotional auf den Redner einlässt. Diese Grundhaltung sollte empathisch sein, da sie nur zum Ziel führt, wenn sich der Zuhörer in den Sprechenden hineindenken kann. Es geht nicht darum, Gedanken zu lesen. Aber wenn Sie sich mit der Fragetechnik befasst haben und die Haltung des aktiven Zuhörens beherzigen, werden Sie passende Antworten im Vorstellungsgespräch mit nur wenig Mühe finden.

Konkret sollten im Gespräch stets folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Lassen Sie sich auf den Sprecher vollkommen ein.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Worte, die Gestik und die Fragetechnik.
  • Bewahren Sie eine für sich angenehme und ruhige Körperhaltung.
  • Stellen Sie Ihre eigenen Ansichten zurück.
  • Fragen Sie direkt nach, wenn etwas unverständlich ist.
  • Beobachten Sie Ihre eigenen Gefühle und Ihre körperliche Haltung dabei.
  • Suchen Sie, die Gefühle des Redners zu ergründen und sprechen diese eventuell an.
  • Kurze Hinweise bestätigen und aufnehmen, ohne eine Meinung abzugeben.
  • Lassen Sie andere immer ausreden. Dies ist nicht nur höflich, sondern Sie werden erst dann den gesamten Gedanken erfassen können.
  • Schauen Sie der sprechenden Person immer in die Augen.
  • Vorhaltungen und Kritik nehmen Sie hin, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen.

Diese Haltungsanweisungen sind nicht als Passivität aufzufassen. Allerdings wird die Aktivität erst gestartet, wenn die Person, die das Wort führt zum Ende gekommen ist. Während der Ausführungen der Personaler haben aktive Zuhören die Möglichkeit, die Gefühle und die Inhalte der Fragen zu verstehen und sich auf die Antwort vorzubereiten. Wer den anderen versteht, dies zum Ausdruck bringt und auf ihn angemessen reagiert, baut Vertrauen auf und sammelt Pluspunkte. Es wird Verständnis und Interesse gezeigt. Wer nur zuhört, um danach seine eigene Ansicht dagegenzusetzen, wird Misstrauen ernten, da er auf andere Ansichten nicht eingeht.

Hören – Hinhören – Zuhören

aktives und analytisches Zuhören

aktives und analytisches Zuhören

1.) Hören: Während der Sprecher an der Reihe ist, beschäftigt sich der Hören mit sich selbst und wartet nur darauf, endlich das Wort erteilt zu bekommen. Der Hörer richtet seine Aufmerksamkeit weniger den Worten und dem Inhalt der Ausführungen des Sprechers, sondern beschäftigt sich fast ausschließlich mit eigenen Gedanken.

2.)  Hinhören: Das Gehörte wird inhaltlich aufgenommen, ohne zu erfahren zu suchen, welchen Sinn und Zweck diese Ausführung hat. Emotional ist der Fokus nicht auf den Sprecher gerichtet, dennoch kann dieser in dem Glauben sein, dass ihm wirklich und ernsthaft zugehört wird.

3.) Zuhören: Der Zuhörer versucht sich in den Redner hineinzuversetzen und dessen Gefühle wie Inhalte zu ergründen. Dem Redner wird die voll Aufmerksamkeit zuteil. Mit den Augen, der Körperhaltung und zustimmendem Nicken etwa wird dem Redner signalisiert, dass er im Mittelpunkt des Interesses steht.

Mit aktivem Zuhören werden Sie also nicht nur Sympathie beim Redner erlangen, Sie erfahren auch was hinter den Worten steht, wenn Sie auf die Zwischentöne und die Fragetechnik achten.

Der Weg vom Hören zum aktiven Zuhören

Um wirklich zu verstehen, was der Gegenüber meint, muss genau zugehört werden. Wen etwa ausgeführt wird: „Bald nach einer Einarbeitungszeit wird in unserem Betrieb die eigenständige Arbeit von neuen Mitarbeitern erwartet.“ Werden Ihnen, wenn Sie zugehört haben, einige Aspekte auffallen. Dafür müssen Sie allerdings während der Ausführungen aufmerksam zugehört haben und die Details wahrgenommen haben. Sie müssen also den gesamten Satz kritisch auseinandernehmen.

Ihre Antwort könnte daher lauten: „Welcher genaue Zeitraum ist mit bald gemeint? Wie lange wird die Einarbeitung dauern, und mit welchen Inhalten wird sie gefüllt? Bedeutet die Eigenständigkeit, die danach unmittelbar gefordert wird, dass eine weitere Unterstützung jeglicher Art ausbleibt?“ Wenn Sie zudem die Haltung des Sprechers beobachtet haben und seine Stimmlage wahrgenommen haben, sind Sie zudem noch in der Lage, die Sätze besser einzuordnen. Ist es so gemeint, dass der Personaler signalisiert, dass er Sie so einschätzt, dass Sie sehr schnell die gestellten Aufgaben alleine erledigen können? Oder hat er Zweifel, dass Ihnen dies gelingen wird. Sollten Sie Zweifel erkennen, ist es nun an Ihnen, diese zu widerlegen. Haben Sie nicht aufmerksam aktiv zugehört, wird Ihnen dieses wichtige Detail entgangen sein. Ein wichtiger Aspekt wird also nicht berücksichtigt, und die Zweifel der Personaler steigen sogar noch an.

Von der Frage zur Antwort bei aktivem Zuhören

Mit diesen einfachen Mitteln werden Sie zu einem aktiven Zuhörer. Diese Technik kann jederzeit auch privat sehr nützlich sein und dort geübt werden. Sie werden feststellen, dass Sie mehr von Menschen erfahren und sich weniger Missverständnisse ergeben.

1.) Neuformulierung von Aussagen. Wiederholung der Frage mit eigener Wortwahl.

 

2.) Übersetzen von Gefühlen in Worte. Spiegelung der Gefühle des Sprechers durch Wiederholung der Emotionsäußerung mit Worten: „Das ist Ihnen wohl sehr nahe gegangen.“

3.) Nachfragen. Details genauer erfragen, wenn Aussagen zu wage waren. „Ist spät schon zehn Minuten?“

4.)  Zusammenfassung der Frage. Kurze Sätze, um den Kern der Frage zu wiederholen und den Sinn darzulegen, wie er verstanden wurde.

5.) Klarstellungen. „Als Sie erwähnten, dass sie meine Entscheidung zeitnah erwarten, haben sie damit gemeint, dass ich in einem Tag antworten soll?“

6.) Erweiterung. „Sie erwähnten, dass in einem solchen Fall der Abteilungsleiter weitere Wege entscheiden wird. Welche konkreten Wege können dies sein?“

7.) Abwägung. „War eine solche Kritik schlimmer, als dass die Sache unerwähnt bleiben würde, da die Person nicht ernst genommen wird?“