Die Wahl zwischen alternativen Antworten

Jedes Gespräch geschäftlicher Art wird gestaltet, um Interessen wahrzunehmen. Die Personaler werden versuchen das Vorstellungsgespräch so zu führen, dass sie die Leitung behalten, um möglichst viele konkrete Informationen über Bewerber zu erhalten.

Mit bewusst angewandter Methodik der Fragetechnik können dem Gegenüber durchaus Informationen entlockt werden, die er gerne verschwiegen hätte. Aber mit hinreichender Vorbereitung können auch Bewerber sich erfolgreich und gezielt mit Fragestellungen und geeigneten Antworten mit ihren Interessen behaupten. 


Hier werden die Alternativfragen im Mittelpunkt stehen, die neben den offenen Fragen (beginnen mit W-Worten wie, was, wo etc.), den geschlossenen Fragen (sind mit ja oder nein zu beantworten) ein fester Bestandteil eines jeden Vorstellungsgesprächs sein werden. Unter einer Alternativfrage wird eine Fragestellung verstanden, die als Antwort die Wahl zwischen zwei oder mehreren Alternativen lässt. Dadurch wird vermieden, dass lediglich ein kurzes ja oder nein erfolgt. Eine Ähnlichkeit mit den offenen Fragen besteht darin, dass bei der Beantwortung die Freiheit der ausgiebigen Ausführung möglich ist. Zusätzlich kann aber auch mit den Worten weder noch geantwortet werden, wenn keine der aufgeführten Alternativen zutreffend ist.

Zu erwartende Alternativfragen

  • Steht ihnen ein Auto zur Verfügung, oder kommen sie immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit?
  • Wählen sie bei folgender Aufgabenstellung den Weg A oder B?
  • Bevorzugen sie im Streitgespräch die Rolle des Moderators, oder ergreifen sie Partei oder übernehmen die Führung?
  • Sind sie nach Feierabend noch per E-Mail für berufliche Zwecke erreichbar, oder lehnen sie dies ab?
  • Sind sie zu unregelmäßigen Überstunden grundsätzlich immer bereit, oder machen sie dies von der jeweiligen Situation abhängig?
  • Ist ihnen eine Entlohnung gelegen, die sich aus Festgehalt plus Bonus zusammenstellt, oder bevorzugen sie ein immer gleichbleibendes Gehalt?
  • Können sie sich vorstellen, eine Führungsposition zu bekleiden, oder ist ihnen ein Arbeitsplatz mitten im Team angenehmer?

Sie werden nach kurzem Überlegen feststellen, dass fast jede Frage durchaus auch mit der Einführung einer weiteren Alternative beantwortet werden kann. Äußern Sie diese unaufgefordert, da Sie damit wichtige Informationen liefern. Wenn Sie stringent immer nur zwischen den gebotenen Auswahlantworten entscheiden, wird Ihre wahre Einstellung und Sichtweise nicht ausreichend repräsentiert. Immer wenn es für Sie erfolgversprechend erscheint, erwähnen Sie bei Beantwortung auch zusätzliche Alternativen, oder sagen Sie weder noch. Letzteres sollte dann umgehend begründet werden, wodurch wiederum eine neue Alternative anzusprechen ist.

Wer Fragen stellt, führt das Gespräch

Üblicherweise beginnt ein Vorstellungsgespräch, indem Mitarbeiter der Firma Ihnen Fragen stellen. Damit übernehmen diese Personen automatisch die Gesprächsführung. Mit Methoden der Rhetorik kann eine Unterredung in eine gewünschte Richtung gelenkt werden. Dadurch wird der Befragte in die Lage versetzt, reagieren zu müssen. Es wird nicht nur auf den Inhalt der Antwort geachtet. Mitunter ist es sogar nur interessant zu erkennen, wie eine Person auf Fragen reagiert, mi denen sie unter Druck gesetzt wird. Wenn eine Führungsposition zu vergeben ist, wird verlangt, dass die Bewerber sich auch unter Druck behaupten können und Ruhe bewahren, um bewusst zu handeln. Auch die Teamfähigkeit wird mit provozierenden Fragen getestet. Dabei stellen die Alternativfragen einen wichtigen Teil dar. Bleibt doch die Chance, sich eindeutig zu positionieren.

Auch Bewerber können den Verlauf des Vorstellungsgesprächs beeinflussen, indem sie Fragen stellen. Dies ist durchaus gewünscht. Nur interessierte Bewerber fragen. Dennoch sollten Sie eigene Fragen immer zum richtigen Zeitpunkt stellen. Zuerst gebietet schon die Höflichkeit, dass derjenige, der das Wort hat zunächst seine Rede zu endeführen kann. Nach der Beantwortung kann allerdings eine Frage eingebaut werden. Diese sollten sich zunächst immer auf die zuletzt besprochenen Aspekte beziehen. Verständnisfragen sind die häufigsten in dieser Phase. Ansonsten machen Sie sich Notizen, um weitere Fragen später anzufügen. Außerdem ist es nicht unwesentlich, selbst Fragen zu formulieren, um selbst das Gespräch zu leiten. Verstehen Sie den Wechsel von Fragen und Antworten aber nicht als Kampf. Es geht um das Kennenlernen, welches nur möglich ist, wenn noch unbekannte Gebiete erläutert werden.

Vorbereitung auf Alternativfragen

Erinnern Sie sich in Ihrer Vorbereitung an Ihre eigene Vergangenheit. In der Phase der Berufswahl standen Ihnen mehrere Berufe vor Augen, zwischen denen Sie schließlich gewählt haben. Sie hatten also Alternativfragen zu beantworten. Ohnehin kann auch im Vorstellungsgespräch nach der Motivation gefragt werden, die zur Berufswahl geführt hat. Bei einigen Menschen spielt das zu erreichende Gehalt eine sehr wichtige Rolle. Unternehmen hingegen sind an Personen interessiert, die eine fachbezogene Motivation mit sich bringen, werden diese allerdings bei entsprechender Leistung honorieren. Immer mehr Firmen greifen zum Instrument der Bonuszahlungen, um besonders qualifizierte und leistungsstarke Mitarbeiter zu belohnen. Ein Blick, der ausschließlich auf das Grundgehalt gerichtet ist, führt dann in die Irre. Stellen Sie hierzu Alternativfragen wie: „Werden gute Mitarbeiter durch einen Bonus belohnt, oder wird dies bei der Entlohnung nicht berücksichtigt?“

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Fragen, die immer wieder auftauchen

Da fast jedes Unternehmen Informationen über Bewerber benötigt, die über die Qualifikation, die Motivation und die Ausbildung Auskunft geben, werden sehr viele Fragen eines Vorstellungsgesprächs bei den meisten Firmen fast identisch gestellt. Unterschieden wird lediglich, mit welcher Fragetechnik gearbeitet wird. Stellen Sie sich daher darauf ein, dass diese Fragen offen, geschlossen und auch als Alternativfragen auftauchen können. Folgende 10 Fragen gehören zum Standard in den meisten Vorstellungsgesprächen:

  1. Der Grund, sich gerade für diese Stelle und Firma zu bewerben
  2. Aufforderung, etwas von sich zu erzählen
  3. Ihre Erwartungen und Wünsche an die Stelle und das Unternehmen
  4. Begründung, warum Sie besonders gut geeignet sind
  5. Frage nach Ihren bisherigen Erfolgen und auch den schlechten Erfahrungen
  6. Sie werden aufgefordert, über eigene Stärken und Schwächen zu sprechen
  7. Ihre Freizeitbeschäftigung interessiert
  8. Motivation während zur Berufswahl oder zum Studium
  9. Ihre Ziele in ferner und mittelfristiger Zukunft
  10. Die Erwartung, dass Sie eigene Fragen stellen

Ohne Vorbereitung sind viele Bewerber oft überfordert, wenn sie am Ende selbst aufgefordert werden, Fragen zu formulieren. Meist kommen daher dann nur Fragen zustande, die wenige Informationen bringen können. Formulieren Sie daher schon im Vorfeld die Gedanken, di Ihnen wichtig sind. Notieren Sie diese und überlegen, mit welcher Fragetechnik sie zu stellen sind. Notieren Sie auch alle Fragen, die Ihnen möglicherweise gestellt werden, und formulieren Sie angemessene Antworten, die Sie mit der Familie und Freunden diskutieren können.