Gesprächssimulation mit 116 Fragen & Antworten

Eigene Fragen im Vorstellungsgespräch: 21 Musterfragen und welche 8 Sie aus dem Rennen werfen

Fragen, Gespräch

Zuletzt aktualisiert am 17. August 2023

Job interview

Die Einladung zum Vorstellungsgespräch beinhaltet bereits, dass dem Bewerber kein Monolog bevorsteht. In einem Gespräch reden stets alle Beteiligten. Allerdings wird dieses Gespräch nach vorbestimmten Mustern ablaufen. Dies bedingt, dass die Personaler nach Beendigung der Begrüßung mit Smalltalk das Gespräch mit Fragen eröffnen. Bewerber sind gut beraten, eigene Fragen erst zu stellen, wenn Personaler zu einem Bereich alle Fragen gestellt haben, oder wenn Verständnisfragen notwendig sind, um Irrtümern vorzubeugen. Zwar können Bewerber frei eigene Fragen formulieren, sollten sich dennoch im Rahmen bewegen, der keine negativen Rückschlüsse erlaubt.

Wann Sie fragen – und warum offene Fragen die besseren sind

Eigene Fragen gehören meist ans Ende des Gesprächs, spätestens wenn der Personaler fragt: „Haben Sie noch Fragen?“ Erlaubt sind sie aber jederzeit – vor allem Verständnisfragen, wenn Sie etwas nicht vollständig erfasst haben. Lassen Sie Ihr Gegenüber immer ausreden und machen Sie sich zwischendurch Notizen, statt zu unterbrechen. Wer sein Gespräch zügig von Frage zu Frage führt, möchte erkennbar nicht unterbrochen werden; heben Sie sich Ihre Punkte dann bis zum Schluss auf.

Entscheidend ist die Form. Eine Frage ist dann klug gestellt, wenn die Antwort einen großen Informationsfluss auslöst. Fragen, die mit „warum“ beginnen, verlangen eine Rechtfertigung und erzeugen ein unangenehmes Gefühl. Fragen mit „was“, „wer“ oder „wie“ lassen den Personaler frei erzählen – und wer gerne erzählt, verbindet das mit dem Gesprächspartner. Nebenbei erfahren Sie am Tonfall der Antwort mehr über das Betriebsklima als aus jeder Stellenanzeige.

Und noch eine Regel zur Reihenfolge: Fragen nach Gehalt, Urlaub, Überstunden und Zusatzleistungen sind berechtigt und werden erwartet – aber nicht als Auftakt. Stellen Sie sie ganz zum Schluss, wenn die inhaltlichen Punkte geklärt sind.

Fragen, die unverfänglich sind

Da das „wann“ einer Frage nicht eindeutig zu klären ist, sollte zunächst abgewartet werden, wie der jeweilige Personaler seine das Gespräch führt. Kommt er nach Beantwortung einer Frage immer sehr rasch zu nächsten, so sollten eigene Fragen der Bewerber bis zum Ende aufgespart werden. Sich zwischenzeitlich Notizen zu machen, ist sinnvoll. Dies hat keine Auswirkung auf Fragen, die gestellt werden können, nicht gestellt werden sollten und welche Fragen überraschend sind.

Diese Fragen gehen immer:

  1. Aus welchem Grund wurde diese Stelle frei?
  2. Worauf basiert die Firmenkultur?
  3. Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag auf dieser Stelle aus?
  4. In welcher Position befindet sich diese Stelle innerhalb der Firma?
  5. Was muss getan werden, um von einem guten Mitarbeiter zum Besten zu werden?
  6. Darf ich den Arbeitsplatz heute einmal besichtigen?
  7. Wann kann ich mit einer Entscheidung ihrerseits rechnen?

Daneben können Bewerbern Fragen einfallen, wenn keine hinreichende Vorbereitung stattgefunden hat. Aber auch Fragen, die üblicherweise zu einem Verhalten gestellt werden, das in Firmen meist nicht gestattet wird, gehören in diese Kategorie.

Dies Fragen führen nicht zur Einstellung:

  • Seit wann besteht diese Firma? – Zeugt von Unkenntnis der Website
  • Was produziert das Unternehmen? – dito
  • Wie groß ist die Firma einzuschätzen? – dito
  • Kann ich schnell Karriere machen? – Noch kennt niemand die wirklichen Qualitäten.
  • Wie oft werden Gehaltserhöhungen gezahlt? – Hat es der Bewerber nur auch schnelles Geld abgesehen?
  • Ich möchte früh Feierabend machen, kann ich auch früher anfangen, wie ich will?
  • Werden Mitarbeiter überwacht?
  • Darf ich meine privaten E-Mails im Büro beantworten und online einkaufen?

Bereits eine dieser Fragen kann dazu führen, abgewiesen zu werden. Mit folgenden Fragen können Bewerber den Personaler überraschen. Sie zeugen von Selbstbewusstsein und Einfallsstärke.

  • Wo sind die Stärken der Firma im Vergleich zu Konkurrenten am Markt?
  • Womit motivieren sie sich täglich?
  • Gibt es Probleme in der Firma, die von mir gelöst werden können?
  • Werden meine Initiativen dazu führen, dass die Firma erfolgreicher wird?
  • Warum hat sich die Firma für genau diesen Standort entschieden?

Fragenkatalog: 21 kluge Fragen nach Themen sortiert

Wählen Sie vorher drei bis fünf Fragen aus, die Sie wirklich interessieren, und stellen Sie im Gespräch nur die, die noch nicht beantwortet wurden. Dass Sie die Fragen aus Ihren Unterlagen vortragen, ist kein Makel – es belegt Vorbereitung.

Zur Stelle

  1. Wann und aus welchem Grund wurde diese Stelle frei?
  2. Wurde die Stelle bisher immer langfristig besetzt?
  3. Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag auf dieser Stelle aus?
  4. Welchen Gewinn soll die Stelle der Firma bringen?
  5. Womit hatten bisherige Mitarbeiter auf dieser Stelle Probleme?
  6. Ist die Stelle mit vielen Außeneinsätzen verbunden?

Zu Erwartungen und Einarbeitung

  1. Was erwarten Sie von mir als neuem Mitarbeiter – gerade in den ersten Wochen?
  2. Kann ich mit einer angemessenen Zeit der Einarbeitung rechnen?
  3. Wer wird mein direkter Ansprechpartner sein?
  4. Welche zusätzlichen Kenntnisse sollte ich mir schnell aneignen?

Zu Team und Führung

  1. Wie groß ist das Team, und wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen?
  2. Wodurch zeichnen sich Ihre besten Kollegen aus?
  3. Welchen Führungsstil bevorzugen Sie?
  4. Wie schätzen Sie meinen zukünftigen Vorgesetzten ein?
  5. Wie lange arbeiten Sie selbst schon im Unternehmen?

Zum Unternehmen und zur Entwicklung

  1. Nach welcher Philosophie richtet sich die Firma?
  2. Welche Herausforderungen stellt der Markt derzeit an das Unternehmen?
  3. Wie ist die Weiterbildung geregelt, und welche Förderung bieten Sie talentierten Mitarbeitern?

Zum Abschluss

  1. Kann ich den Arbeitsplatz und die künftigen Kollegen noch kennenlernen?
  2. Wie lange dauert die Probezeit, und wann kann ich mit Ihrer Entscheidung rechnen?
  3. Welche Zweifel hätten Sie, wenn Sie meine Einstellung bedenken?

Die letzte Frage ist die mutigste – und oft die wirksamste. Sie gibt Ihnen die Gelegenheit, einen Einwand noch im Gespräch auszuräumen, statt ihn nach der Absage zu erfahren.

Kein Verhör: wie Sie Ihre Fragen stellen

Ein langer, abgelesener Fragenkatalog kippt schnell in eine Befragung, die beklemmend wirkt. Besser sind wenige gezielte Fragen, die zwei bis drei Aspekte zugleich ansprechen.

Ein Weg, der fast immer funktioniert: Eröffnen Sie eine Frage mit einem Detail von der Unternehmenswebsite, erwähnen Sie es anerkennend und hängen Sie die eigentliche Frage daran. Sie wirken damit nicht nur vorbereitet, sondern auch souverän und geistig beweglich. Formulieren Sie Ihre Fragen außerdem immer im Bezug zur ausgeschriebenen Stelle – Fragen ins Blaue hinein wirken wie Neugier ohne Ziel, im ungünstigsten Fall sogar wie das Ausforschen von Interna.

Was Sie sich schenken können, sind Fragen, die die Website in zwei Minuten beantwortet hätte: seit wann es die Firma gibt, was sie produziert, wie groß sie ist. Solche Fragen belegen nur, dass die Vorbereitung fehlte.

Fazit eigener Fragestellung

Fragen immer vorbereiten

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Fragen immer sehr geeignet sind, die belegen, dass Bewerber von der Stelle eine genaue Vorstellung haben, sich also eignen. Dafür ist eine gründliche Vorbereitung notwendig, die die Analyse der Stellenanzeige und der Website beinhaltet.

Fragen zum Gehalt sind am Ende durchaus üblich, wenn das Thema nicht bereits angesprochen wurde. Dann wurden die Qualifikationen abgehandelt. Meist wird sich das Gehalt danach richten. Bewerber sollten den Rahmen der Gehälter dieser Stelle kennen.

Weiterhin sind Fragen zu stellen, wenn nicht alle Themen angesprochen wurden. Bereiche sind die Einarbeitung, Größe des Teams, Fragen Zeit des Vorgängers in der Firma, Mobilität und Reisetätigkeit, Flexibilität der Arbeitszeiten, Sozialleitungen etc. Auch Firmen müssen sich um Bewerber bemühen, da nicht jede Stelle einfach zu besetzen ist. Sind Bewerber auf dem Markt selten, können sie auch selbst Forderungen stellen.

Für Führungskräfte gilt dies ohnehin. Sie werden eher verwunderte Blicke ernten, wenn sie keine individuellen Forderungen stellen. Aber auch erfahrene und sehr gute Fachkräfte sollten sehr selbstbewusst fragen, um zu verdeutlichen, dass ihnen Führungsaufgaben erteilt werden können.

Fach- und Führungskräfte fragen anders

Wer sich auf eine Führungsposition oder eine Spezialistenstelle bewirbt, wird eher schief angesehen, wenn er keine individuellen Fragen und Forderungen stellt. Hier gehören Fragen zum Führungsstil, zur Anbindung an die Geschäftsleitung und zu Entscheidungsspielräumen dazu. Sinnvoll sind auch Fragen, die die Firma in die Rolle des Werbenden rücken: Nicht jede Stelle ist leicht zu besetzen, und wer am Markt selten ist, kann selbstbewusst auftreten.

Eine Grenze bleibt: Der Eindruck, es gehe Ihnen nur ums Geld, darf nie entstehen – und auch die Karriere zu stark in den Mittelpunkt zu rücken ist kontraproduktiv, weil Unternehmen dann damit rechnen, Sie nach der nächsten Stufe wieder zu verlieren.

Fragen bei der Suche nach Ausbildung

Wer eine Ausbildungsstelle sucht, hat meist wesentlich andere Interessen, die weniger auf das Gehalt und die Karriere gestützt sind. Zu den oben angeführten Fragen können daher spezifische zur Ausbildung kommen. Hier sollen Fragen aufgelistet werden, die unbedenklich gestellt werden können.

  • Wie viele Auszubildende sind noch beschäftigt?
  • Hat die Firma gute Erfahrungen mit Auszubildenden gemacht?
  • Welche Anforderungen stellen sie an mich?
  • Kann ich nach der Ausbildung übernommen werden?
  • Wie sind die Zeiten für Ausbildung in der Firma und der Berufsschule?
  • Gibt es eine Person, die ich bei Problemen ansprechen kann?
  • Kann ich die Ausbildungsstätte sehen?
  • Wie hoch fällt die Vergütung aus?
  • Kann ich mit einem Auszubildenden ihrer Firma eine Unterhaltung führen?

Mit diesen Fragen zeigen Auszubildende, dass sie für den Beruf motiviert sind, sich aber eine gute Firma aussuchen möchten. Diese Einstellung wird ein Personaler einer angesehenen Firma sehr begrüßen. Ein Auszubildender sollte ohnehin kritischer sein. Er benötigt eine fundierte Ausbildung, um sein späteres berufliches Leben erfolgreich zu gestalten. Daher sind kritische Fragen angebracht. Auch stehen Auszubildende, wenn sie ein gutes Schulzeugnis besitzen, kaum unter Druck, jede beliebige Ausbildungsstelle annehmen zu müssen.

Häufige Fragen zu eigenen Fragen im Vorstellungsgespräch

Wie viele Fragen sollte ich stellen?

Drei bis fünf, und davon nur die, die im Gespräch nicht schon beantwortet wurden. Bereiten Sie ruhig mehr vor – Sie streichen dann während des Gesprächs.

Was mache ich, wenn alles schon beantwortet wurde?

Sagen Sie das offen und knüpfen Sie an: „Vieles hat sich schon geklärt. Eine Sache interessiert mich noch …“ Nur „Nein, danke“ zu sagen, verschenkt den letzten Eindruck.

Darf ich meine Fragen von einem Zettel ablesen?

Ja. Notizen zeigen, dass Sie sich vorbereitet haben. Nur sollten Sie den Zettel als Gedächtnisstütze nutzen und nicht Punkt für Punkt abarbeiten.

Darf ich nach dem Gehalt fragen?

Ja, wenn das Thema nicht ohnehin schon zur Sprache kam – aber erst ganz am Ende, wenn Ihre Qualifikationen besprochen sind. Kennen Sie vorher den üblichen Rahmen für diese Stelle.

Gelten für Auszubildende andere Regeln?

Ja. Fragen nach Ansprechpartnern, nach der Betreuung und nach der Übernahme dürfen ruhig emotional klingen – das wird bei jungen Bewerbern erwartet und positiv gesehen. Kritische Fragen sind hier ausdrücklich angebracht: Eine fundierte Ausbildung prägt das ganze Berufsleben.

Verantwortlich: Ömer Bekar  ·  Zuletzt redaktionell geprüft: 01.10.2026  ·  Zur Methodik
Redaktion vorstellungsgespraech.org

Redaktion vorstellungsgespraech.org

Über diesen Beitrag

Die Beiträge auf dieser Seite werden redaktionell erstellt und laufend überarbeitet. Verantwortlich für den Inhalt ist Ömer Bekar (Impressum). Wie die Inhalte entstehen, welche Quellen genutzt werden und wie oft aktualisiert wird, steht auf der Seite Redaktion. Fehlt Ihnen hier ein Thema oder ist Ihnen ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an support@bekar.de.

Weitere Beiträge