Geschlossene Fragestellung beim VorstellungsgesprächJedes Vorstellungsgespräch wird unter Einbeziehung der Rhetorik geführt. Auf diesen Umstand muss sich jeder Bewerber einstellen. Von großen Unternehmen wird stets eine professionelle Gesprächsführung durchgeführt. Aber auch bei kleineren Firmen sollte dies zur eigenen Absicherung vorausgesetzt werden.

Lernen Sie die Fragetechniken kennen, um im Vorstellungsgespräch angemessen zu antworten. Es ist daher wichtig, zu erkennen, ob es sich konkret um eine geschlossene oder offene Frage handelt. Hier stehen zunächst die geschlossenen Fragen im Fokus. Welche Fragen werden gestellt, und welche Antwort ist passend soll erfahren werden. 

Die Gesprächseröffnung wird von einem Personaler meist durch einige offenen Fragen gestaltet. Gefragt wird mit den berühmten W-Fragen, um die Bewerber zunächst zu beruhigen und den Gesprächsfluss zu gewährleisten. „Weshalb haben sie sich ausgerechnet für unser Unternehmen entschieden?“ ist eine häufig anzutreffende offene Frage. Um die Führung der Unterredung in die Hand zu nehmen, werden in der Folge immer wieder geschlossene Fragen eingespielt, um die Bewerber in eine gewünschte Richtung zu steuern.

Geschlossene Fragen verlangen eine Entscheidung

Während mit offenen Fragestellungen den Befragten ein gewisser Spielraum bei der Beantwortung gelassen wird, verlangt die geschlossene Frage nach einer konkreten Entscheidung. Auf eine solche Frage kann die Antwort immer ja oder nein lauten. Dadurch erhält der Fragende automatisch eine Lenkungsfunktion. Aus Verkaufsgesprächen ist bekannt, dass gewollt Fragen geschlossen gestellt werden, um entweder ein ja oder ein nein zu erzwingen. Auf diesem Weg soll der Kunde zu einer gewünschten Kaufentscheidung gelenkt werden. Hier werden Fragen als Suggestivfragen benutzt.

Im Vorstellungsgespräch ist dieser Art von Leitung nicht sinnvoll und wird nicht benutzt. Allerdings soll eine eindeutige Antwort erzielt werden, um die Einstellung und Qualität der Bewerber deutlich bewerten zu können. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass ein durchschnittliches Vorstellungsgespräch mit 30 Minuten angesetzt wird. In diesem Zeitfenster sollen so viele Informationen wie möglich fließen. Offene Fragen lasse Spielraum, verbrauchen bei Beantwortung aber auch mehr Zeit. Weiterhin besteht bei geschlossenen Fragen weniger die Gefahr, dass ein Gespräch in andere Themen abgleitet.

Oft gestellte geschlossene Fragen sind:

  • Stellen Überstunden ein Problem für sie dar?
  • Trauen sie sich grundsätzlich zu, ein Team anzuführen?
  • Haben sie eine vergleichbare Aufgabe einmal gelöst?
  • Sind sie persönlich kommunikativ und gesellig?

Hierbei muss der Bewerber sich stets entscheiden, ob er zu einer konkreten Sache ja oder nein sagt. Unter der Kategorie der geschlossenen Frage wird noch eine Mischform, die der halbgeschlossenen oder halboffenen Frage behandelt. Bei dieser Frageform erhält der Bewerber eine Wahl, sich zwischen zwei Aspekten zu entscheiden. Statt mit ja oder nein wird mit einer begründeten Wahl für eine von mehreren Aspekten geantwortet.

Beispiele halbgeschlossener Fragen:

  • Welche Arbeitsweise liegt ihnen näher, die im Team oder alleinverantwortlich?
  • Gehen sie bei Erledigung einer neuen Aufgabe eher strukturiert technisch oder frei und kreativ vor?
  • Ist es ein Problem, wenn sie zeitweilig oder dauerhaft in einer unserer Filialen in anderen Regionen eingesetzt werden?
  • Bevorzugen sie Schichtarbeit, oder ist ihnen eine reine Tagesschicht wichtiger?

Sie sehen sehr leicht, dass auch hierbei Entscheidungen zu treffen sind, doch wird immer eine konkrete Alternative vorgegeben. In allen Fällen geht es darum, die Person des Bewerbers möglichst genau einschätzen zu können. Außerdem können Wiedersprüche aufgeklärt werden, die sich aus dem Lebenslauf und dem Bewerbungsanschreiben ergeben können.

Die gleiche Fragetechnik steht auch den Bewerbern offen, wenn sie ihrerseits Fragen an die Personaler stellen. ES sollte durchaus bewusst damit gearbeitet werden, um die genausten Informationen verbindlich zu erhalten. Fragen Sie daher nicht, ob der Weg zur Arbeit vom Mitarbeiter selbst organisiert wird, wenn Sie wissen möchten, ob etwa die Chance auf ein Job-Ticket besteht. Stellen Sie dann eine geschlossene Frage: Gibt es in ihrem Unternehmen die Möglichkeit zu einem solchen Ticket?

Vorbereitung auf Fragetechniken im Vorstellungsgespräch

In der Vorbereitung zu einem konkreten Gesprächstermin wird im ersten Schritt eine Informationssammlung gestartet, um zu erkunden, welche Art von Arbeiten zu erwarten sind, welche Abteilungen in einer Firma vorhanden sind, und welche Anforderungen sich aus der konkreten Stellenausschreibung ergeben.

Daraus lassen sich Fragen formulieren, die Personaler stellen. Des Weiteren sind alle Fragen aufzulisten, die zur Person, zum Charakter etc. auftreten können. Da nicht vorherzusehen ist, ob eine bestimmte Frage offen oder geschlossen gestellt wird, sollte sie immer in beiden Formen aufgelistet werden. Geben Sie also auf jeden Aspekt zwei Antworten, die Sie nach der entsprechenden Frage niederschreiben.

Dies mag etwas mühevoll klingen, hilft aber, vor dem Termin eine Routine bei der Beantwortung zu erhalten. Lassen Sie auch beliebige Fragen von Freunden oder Ihren Partnern stellen, wobei frei zwischen geschlossener und offener Frage gewechselt wird. So lernen Sie den Unterschied immer sofort zu erkennen. Selbst wenn Fragen auftauchen, auf die Sie noch unvorbereitet sind, werden Sie kaum in Unruhe geraten.

Selbst wenn Suggestivfragen gestellt werden, um Sie in Stress zu versetzen, werden Sie nicht so nervös reagieren, wie Sie es gewohnt sind. Sie werden auch leichter das eigentliche Ziel einer Frage einzuschätzen wissen.