Die Einladung zum Vorstellungsgespräch beinhaltet die Aufforderung zum Dialog und die Bereitschaft zum Interview. Im Wesentlichen handelt es sich um einen Wechsel von Fragen und Antworten.

Im Unterschied zum zwanglosen Geplauder unter Bekannten wird eine Befragung mit rhetorischen Mitteln stattfinden, wobei jede Frage zielstrebig formuliert wird.  Anders als während eines Verkaufsgesprächs werden hier Fragen gestellt, die den fachlichen und persönlichen Hintergrund der Bewerber erkunden sollen. 

Im Bewerbungsgespräch sind offene Fragen sehr wichtig. Sie lassen dem Befragten die Möglichkeit seine Antworten breit anzulegen. So erfährt der Personaler indirekt Meinungen und Erfahrungen, die nicht unmittelbar den Kern der Frage betreffen. Meist wird ein Gespräch daher mit einer offenen Frage eröffnet. Bewerber werden in die Lage versetzt, ausführlich zu antworten und verlieren dabei automatisch an Nervosität. Damit ist beiden Seiten geholfen. Auch als Verständnisfrage ist diese Fragetechnik geeignet, um unklare Äußerungen zu konkretisieren.

Wie beginnen offene Fragen?

Jede offene Frage startet mit einem W-Wort, wobei der Buchstabe W nicht nur am Beginn stehen muss. Zwar wird mit dieser Fragestellung fast immer nach einem konkreten Zusammenhang gefragt, doch wird insgeheim die Aufforderung zu einer ausführlicheren Erläuterung eingebaut.

Beginn von offenen Fragen:

  • Wann
  • Warum
  • Krieg
  • Welche
  • Wir M
  • Wer
  • Wessen
  • Weshalb
  • Wie
  • Wieso
  • Wie lange
  • Wie oft
  • Wofür
  • Woher
  • Womit
  • Inwiefern

An einigen Beispielen wird deutlich, weshalb mit einer offenen Frage der Informationsfluss besonders umfangreich sein wird oder kann. Indirekt wird dabei das Verhältnis zwischen den Gesprächspartnern vertraulicher, sodass die Informationen freigiebig fließen werden. Unerfahrene Menschen werden diesen Umstand kaum bemerken. Bewusst angewandt wird der Fragesteller mittels dieser Technik die Gesprächsführung übernehmen und kann den Verlauf gezielt steuern. Auch Bewerber sollten sich der Technik bedienen, um selbst die Richtung zu bestimmen. Außerdem erkennen sie, welche Ziele der Personaler verfolgt, wenn er eine bestimmte Frage stellt.

Beispiele offener Fragen und möglicher Antworten

Wie lange haben sie ihre bisherige Stelle besetzt?

Auf diese offene Frage kann kurz geantwortet werden, indem lediglich die Anzahl der Jahre genannt wird. Meist wird die Antwort aber ausgebaut. Es wird eine Begründung für das vorzeitige Ende mitgeliefert. Dadurch erfährt der Personaler Hintergründe. Aus Sicht der Bewerber ist Vorsicht geboten. Bei Begründung der Beendigung der bisherigen Stelle sollte über die Firma nicht schlecht gesprochen werden. Daraus wird der Personaler schließen, dass auch seine Firma bei diesem Bewerber schlecht geredet wird, wenn ihm einmal eine Situation nicht behagt.

Wo sehen sie sich in fünf Jahren?

Die Antwort, dass dann eine Führungsposition in einer Abteilung mit Sicherheit anstehen wird, klingt aufstrebend, kann aber auch negativ verstanden werden. Ehrgeiz ist wichtig, kann aber, wenn er verbissen ausgeübt wird, auch aggressiv ausarten. Positiver klingt es, wenn geantwortet wird, dass dann alle Mitarbeiter mit großer Wahrscheinlichkeit von den Qualitäten der Arbeit überzeugt sein werden. Somit wird erhofft, seine Fähigkeiten entsprechend anwenden zu können. Das ist mehr im Sinne des Unternehmens, ohne eigene Ansprüche herabzuwürdigen.

Woraus ist folgender Artikel hergestellt worden?

Diese Wissensfrage zielt auf Fachkenntnisse. Sollten Sie darauf nicht mit absoluter Sicherheit antworten können, geben Sie es offen zu. Nennen Sie aber Ihre Einschätzung und den Grund, weshalb Sie im Moment nicht sicher sind. Damit wird zwar eine Wissenslücke offengelegt. Doch sie mit Raten zu überbrücken, wird nicht gelingen. Offenheit zeigt aber den ehrlichen Charakter. Wenn zudem noch die Bereitschaft bekundet wird, stets an Weiterbildung sehr interessiert zu sein, kann der Makel ins Positive gewendet werden.

Sie sehen, dass offene Fragen niemals nur mit ja oder nein beantwortet werden können. Die Antworten werden meist ausführlich ausfallen. Dabei können Sie sich leicht negativ oder positiv darstellen. Gehen Sie davon aus, dass Ihnen viele offene Fragen gestellt werden. Sie betreffen Ihr Fachwissen und werden auch Ihre Persönlichkeit ansprechen. Alle Fragen, die zu erwarten sind, sollten daher von Ihnen vorbereitet werden.

Vorbereitung auf offene Fragen

Legen Sie eine Liste mit Fragen an, die Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarten. Im Internet werden diverse Fragen aufgeführt, wenn auch keine Liste vollständig sein kann. Unterteilen Sie daher Ihre Liste in Kategorien.

1.) Fragen zum Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben. Lesen Sie alle Informationen der Website der Firma gründlich durch und lernen wichtige Daten auswendig.

2.) Fragen zur Branche, die fachlicher Natur sein werden. Sie sollten dazu ausführlich über die Arbeit der gesamten Branche antworten können. Wenn Sie sich um einen Ausbildungsplatz bewerben und in der Branche noch nicht gearbeitet haben, sollten Sie vorher recherchieren. Es wird erwartet, dass die Entscheidung für das Unternehmen und die Branche ausführlich begründet wird.

3.) Fragen zum Lebenslauf sind Standard. Brüche im Lebenslauf werden immer auf Interesse stoßen. Auch wenn eine Ausbildung besonders kurz oder lang ausgefallen ist, wird nachgefragt. Lücken im Lebenslauf sind daher ausdrücklich zu vermeiden, da danach fast garantiert nachgefragt wird.

4.) Fragen zur persönlichen Einstellung sind sehr beliebt. Wie Sie auf bestimmte Situationen reagieren, wie Sie welche Bedingung beurteilen, und wie Sie welches Problem angehen, wird von Interesse sein können. Auch etwaige Fragen bezüglich von Überstunden und Zusatzarbeit am Wochenende tauchen regelmäßig auf.

5.) Fragen zur persönlichen Lebenssituation können auftreten. Dabei ist es auch möglich, dass unerlaubte Fragen gestellt werden. Weichen Sie nicht aus. Nennen Sie aber keine Sachverhalte, die Sie in ein negatives Licht stellen werden. Stellen Sie eventuell direkt eine Gegenfrage, die ebenfalls offen formuliert ist. Warum ist dieser Punkt für sie wichtig? Oder sagen Sie, dass diese Frage sehr intim verstanden wird und Sie daher ungerne antworten möchten. So vermeiden Sie, darauf zu verweisen, dass eine Frage nicht gestattet ist, was ein Personaler als aggressiv werten könnte.

Formulieren Sie zu jeder Frage, die Ihnen einfällt immer auch verschieden Antworten, die Sie danach im Freundeskreis diskutieren können. Damit wird eine für Sie schlechte Antwort aussortiert werden können, und Sie optimieren Ihre Reaktion auf Fragen. Zudem erhalten Sie Routine in Erwartung von noch nicht gestellten Fragen.