das Sakko sitzt perfekt

das Sakko sitzt perfekt

Es herrscht schwüles Wetter, Sie schwitzen unter Ihrem Sakko und fühlen sich unwohl. Im Raum, in dem das Vorstellungsgespräch stattfinden wird, sind ebenfalls hohe Temperaturen vorhanden. Zu gerne würden Sie sich des Sakkos entledigen.

Doch es muss Haltung bewahrt werden. Jeder Fehler kann die Chancen auf Einstellung schmälern. Was sagt Knigge zu dieser Lage, und ist Knigge heute noch zuständig? Noch immer ist der Deutsche Knigge Rat tätig und aktiv. Seine Zuständigkeit ist also vorhanden. Dies gilt umso mehr, da auf Etikette wieder geachtet wird. Gutes Benehmen wird nicht nur wieder gefördert, es wird sogar eingefordert. 

Knigge lebt weiter

Fragen wir Knigge, so erhalten wir eine sehr eindeutige Antwort. Der Personaler vertritt die einladende Firma und ist daher eindeutig der Gastgeber. Bewerber sind demnach in der Rolle der Gäste und haben die dafür vorgesehenen Regeln zu befolgen. Die oberste Regel in diesem Fall besagt, dass der Gastgeber den Ton angibt. Es ist unschicklich, wenn der Gast eigenmächtig eine Entscheidung trifft, die das Verhalten betrifft. Diese Regel geht soweit, dass selbst die Aussage des Personalers: „Es ist sehr warm.“ Und er dabei sein Sakko auszieht, nicht dazu führen darf, dass der Bewerber sich ebenfalls unaufgefordert sein Sakko ausziehen darf.

Einfache Richtlinien für das Vorstellungsgespräch sind:

  1. Folge den Ansagen der Personaler.
  2. Warte mit dem Ausziehen von Jacken, bis der Personaler dies anbietet.
  3. Entledigen Sie sich niemals eigenmächtig der Jacke.
  4. Setzen Sie sich niemals unaufgefordert.
  5. Benutzen Sie nur die Ihnen angebotenen Stühle.
  6. Tragen Sie im Stehen immer ein geschlossenes Sakko.
  7. Im Sitzen kann das Sakko ohne Nachfragen geöffnet werden, da dies so vorgesehen ist. Eine Ausnahme bildet lediglich der Zweireiher, der immer geschlossen zu tragen ist.
  8. Wenn Sie vom Personaler ohne Sakko begrüßt werden, warten Sie dennoch, bis Ihnen angeboten wird, das Sakko bei der Wärme doch abzulegen.

Diese Regeln sollten Sie während des gesamten Aufenthaltes in Räumen der Firma befolgen. Jede dort anzutreffende Person ist als Gastgeber anzusehen, sodass die Regeln von Knigge anzuwenden sind. Wenn Sie der Ansicht sind, dass es sich dabei um alte und verstaubt Normen handelt, so ist es Ihr gutes Recht, diese Meinung zu vertreten. Doch im Vorstellungsgespräch gilt Ihre Meinung nicht und wird die Entscheidung der Personaler nicht umkehren.

Wird jeder Personaler die Regeln streng sehen? Sicherlich nicht, aber Sie können nicht vorhersehen, welche Folgen es für Sie haben wird, wenn Sie bereits hier einen Regel übertreten. Ihr möglicher Einwand, Sie haben die Regeln nicht gekannt, ist unwirksam, da Benimmregeln als bekannt vorausgesetzt werden. Wer bereits einfache Benimmregeln nicht kennt, wird auch in wichtigen Terminen mit Kunden und Geschäftspartnern Fehler über Fehler begehen. Knigge ist also nur dann weniger wichtig, wenn Sie sich um eine Stelle ohne Verantwortung bewerben. In solchen Fällen wird aber nur selten ein aufwendiges Vorstellungsgespräch stattfinden.

Wenn Personaler unaufmerksam sind

Auch Personaler sind nicht perfekt und begehen Fehler. Erscheinen Sie etwa mit dem Mantel über dem Arm im Raum, und niemand zeigt Ihnen eine Gelegenheit, um den Mantel aufzuhängen, ist es sinnvoll und richtig, dass Sie darum nachfragen. Es sieht sehr unglücklich aus, wenn Sie mit dem Mantel über dem Arm das Vorstellungsgespräch wahrnehmen. Den Mantel bereits direkt nach Betreten der Firma auszuziehen ist richtig, da er zu den Kleidungsstücken gezählt wird, die im Freien getragen werden. Innen darf er eigenmächtig abgenommen werden.

Gleichermaßen gilt dies für Fragen nach der Toilette. Der Personaler wird Sie nur selten darauf hinweisen, da dies nur notwendig ist, wenn Sie tatsächlich ein Bedürfnis haben. In diesem Fall stellen Sie immer sofort die Frage nach der Toilette. Deswegen das Vorstellungsgespräch zu unterbrechen, ist allerdings nur in begründeten Ausnahmefällen gestattet. Taschen, die Sie mitgebracht haben, stellen Sie idealerweise am Boden neben Ihrem Stuhl ab. Legen Sie keine Gegenstände auf einen Tisch. Nur Notizzettel und ein Stift werden nicht beanstandet.

Ablauf der Begrüßung zu Beginn des Vorstellungsgesprächs

Verallgemeinernd kann der Ablauf vom Betreten des Raumes bis zum Beginn des Smalltalks generell vereinheitlicht werden.

  1. Sie betreten den Raum erst nach Aufforderung.
  2. Sie begrüßen den oder die Personaler und nehmen jeweils Blickkontakt auf.
  3. Sie warten, bis Ihnen Platz angeboten wird.
  4. Sie nehmen dort Platz, wo es angezeigt wird. Wird kein Platz konkret angeboten, wählen Sie einen Platz gegenüber dem Personaler aus und fragen, ob es hier recht ist.
  5. Nachdem Sie sich gesetzt haben, öffnen Sie Ihr Sakko.
  6. Das Sakko dürfen Sie nur ausziehen, wenn es Ihnen angeboten wird.
  7. In diesem Fall können Sie das Sakko über die Rückenlehne des Stuhls hängen.
  8. Sie setzen sich gerade hin, legen die Hände auf den Tischrand, ohne zusätzliche Bewegungen zu unternehmen.
  9. Nun warten Sie ruhig und aufmerksam auf die ersten Worte und den beginnenden Smalltalk.

Mit einigen Abweichungen wird die Begrüßung auf diese Weise ablaufen. Abweichungen sind eher zu erwarten, wenn das Vorstellungsgespräch in einem Ort stattfindet, der mit Cafe, Kantine oder Restaurant im Ort beschrieben werden kann. Aber die Knigge Regeln werden dadurch nicht außer Kraft gesetzt.