Vorstellungsgespräch FinanzamtSie haben Freude am Umgang mit Zahlen und interessieren sich für steuerliche Vorgänge? Vielleicht wünschen Sie sich einfach einen sicheren Arbeitsplatz mit einer guten Zukunftsperspektive. Was es auch ist, Sie haben eine Bewerbung abgeschickt und jetzt eine Einladung für ein Vorstellungsgespräch beim Finanzamt. Sie fragen sich jetzt, was auf Sie zukommen wird und wie Sie den Personaler von sich überzeugen.

Hier erfahren Sie es. Sie bekommen einen guten Überblick über den Ablauf von einem Bewerberinterview beim Finanzamt. Die Fragen und Antworten helfen Ihnen, sicher in Ihr Gespräch hineinzugehen. Bereiten Sie sich darauf vor, wird es mit dem Job oder der Ausbildung auch klappen.

Lesen Sie, was die Hauptaufgaben in einem Finanzamt sind und welche Voraussetzungen Sie für ein Vorstellungsgespräch mitbringen sollten. Lernen Sie typische Fragen kennen, die Ihnen in einem Bewerbungsgespräch gestellt werden. Antwortbeispiele werden Ihnen gleich mit angezeigt. Wenn Sie sich gut vorbereiten und dann noch zusätzlich Verantwortungsbewusstsein zeigen, werden Sie den Personaler ganz sicher von Ihnen überzeugen können.

Das Finanzamt

Das Finanzamt ist eine Landesamt und zählt damit zu den öffentlichen Verwaltungseinrichtungen in Deutschland. In jedem Bundesland gibt es unterschiedlich viele dieser Behörden. Es ist für die Bearbeitung von Aufgaben rund um die Steuer- und Finanzverwaltung zuständig. Dazu zählt beispielsweise die Festsetzung und Erhebung von Steuern und die Überprüfung von Steuererklärungen. Um das leisten zu können, muss es in Kontakt mit den Steuerpflichtigen treten und Auskünfte einholen. Innerhalb des gesamten Besteuerungsprozesses muss das Finanzamt verschiedene Verfahren durchlaufen. Welche das sind, lesen Sie im Folgenden.

1. Ermittlungsverfahren

In einem ersten Ermittlungsverfahren werden die Verhältnisse einer steuerpflichtigen Person erfasst. Damit das geschehen kann, besitzen diese eine Mitwirkungspflicht. Weigern sie sich, dieser nachzukommen, können Geldbußen oder andere Konsequenzen folgen.

2. Feststellungsverfahren

Das Finanzamt ermittelt in diesem zweiten Schritt die jeweiligen Besteuerungsgrundlagen.

3. Erhebungsverfahren

In diesem dritten Step geht es darum, entweder Steuern zu erheben oder bei Überzahlung zu erstatten.

4. Vollstreckungsverfahren

Kommt ein Bürger seinen Pflichten nicht nach, ist es dem Finanzamt erlaubt, eine Steuererklärung oder nicht gezahlte Steuern einzufordern.

5. Berichtigungsverfahren

In diesem Verfahren geht es darum, dass Einsprüche gegenüber Erhebungen und Festlegungen von Finanzbeamten bearbeitet werden.

6. Steuerstrafverfahren oder Bußgeldverfahren

Das Finanzamt ist befugt, in einem berechtigten Fall steuerstrafrechtliche sowie steuerrechtliche Fahndungen einzuleiten.

 

Diese Berufe können Sie beim Finanzamt ausüben

Wenn Sie sich für die Arbeit beim Finanzamt interessieren, können Sie sich auf unterschiedliche Positionen bewerben. Es gibt wie bei der Polizei oder dem Zoll den mittleren, den gehobenen oder den höheren Dienst. Da der höhere Dienst eher selten neu besetzt wird, gibt es für ihn in der Regel keine öffentliche Ausschreibung.

Im mittleren Dienst arbeiten Sie als Finanzbeamter oder Finanzfachwirt. Sie arbeiten in einer Steuerverwaltung und erledigen alle möglichen Anliegen rund um steuerrechtliche Fragen. Dazu zählt beispielsweise, dass Sie Auskünfte an steuerpflichtige Personen erteilen hinsichtlich der Einkommens-, Lohn- oder Umsatzsteuer. Sie bearbeiten Steuererklärungen und überwachen Zahlungsvorgänge. Daneben kümmern Sie sich um die ordnungsgemäße Führung von Akten, erledigen allgemeine Verwaltungsaufgaben wie das Bearbeiten von Formularen und managen Beschwerden und Widersprüche. Auch sind Sie für den Erlass von Steuerbescheiden zuständig und das Führen von Verhandlungen.

Um diesen Job ausüben zu können, durchlaufen Sie eine klassische Ausbildung von zwei Jahren. Beim gehobenen Dienst ist das anders. Hier ist ein duales Studium von drei Jahren Pflicht. Anschließend können Sie sich dann Diplom-Finanzwirt nennen. Ein Wechsel vom mittleren in den gehobenen Dienst ist möglich.

Arbeit finden Sie bei Finanzämtern, in Finanzministerien oder dem Bundeszentralamt für Steuern.

 

Voraussetzungen für ein Vorstellungsgespräch beim Finanzamt

Um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, müssen Sie zuerst das Bewerbungsverfahren erfolgreich meistern. Dazu zählt, dass Sie mit einem aussagekräftigen Bewerbungsschreiben überzeugen. Auch ein tabellarischer Lebenslauf darf nicht in Ihrer Bewerbungsmappe fehlen. Was neben diesen Formalitäten für den Personaler wichtig ist, erfahren Sie in diesem Abschnitt.

Ausbildung

Eine Ausbildung als Beamter im mittleren Dienst ist notwendig, um in der Steuerverwaltung zu arbeiten. Haben Sie sich für einen Ausbildungsplatz beworben, sollten Sie mindestens einen Realschulabschluss vorweisen. In manchen Fällen ist auch ein Hauptschulabschluss in Kombination mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ausreichend.

Sorgfalt & Genauigkeit

Sorgfältiges und genaues Arbeiten zeichnet Sie aus. Gerade für die Prüfung von Steuerunterlagen ist diese Fähigkeit unerlässlich.

Verantwortungsbewusstsein

Sie übernehmen gern Verantwortung für Ihr Handeln. Ihnen ist klar, dass Sie als Finanzbeamter mit sensiblen Daten umgehen. Dementsprechend sind Sie unbeteiligten Personen gegenüber zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Selbständigkeit

Ihre täglichen Aufgaben erledigen Sie ohne Aufforderung von Ihren Vorgesetzten. Sie sind selbständig organisiert und strukturiert.

Kommunikationsfähigkeit

Im Umgang mit Kollegen oder Steuerpflichtigen sind Sie professionell und finden leicht die richtigen Worte. Sie haben kein Problem damit, Fachbegriffe zu verwenden oder zu erklären.

Konfliktfähigkeit

Es kann häufiger vorkommen, dass Steuerforderungen ausbleiben oder Unterlagen nicht eingereicht werden. In solchen Fällen sollten Sie in der Lage sein, mit Konflikten umzugehen. Ebenso gehört es dazu, dass Sie sich gegenüber den Steuerschuldnern oder anderen Personen selbstbewusst durchsetzen können.

Interesse an Steuern

Sie interessieren sich sehr für das Thema Steuern und Steuerrecht. Das ist sehr wichtig für Ihr langfristiges Wohlbefinden in diesem Beruf.

Gute Merkfähigkeit

Die Steuergesetze unterliegen einer ständigen Änderung. Treten diese ein, arbeiten Sie sich problemlos in Neuerungen ein. Dabei hilft es Ihnen, wenn Sie sich Vorschriften und Gesetze sehr gut merken können.

 

Vorstellungsgespräch Finanzamt: Das könnte auf Sie zukommen

Sind Sie einmal zum Bewerbungsgespräch eingeladen, wird es ernst. Manchmal müssen Sie vor einem einzelnen Auswahlgespräch zunächst an einem Assessment Center teilnehmen. Das ist vor allem bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz der Fall. Sie bekommen dort verschiedene Übungen, anhand derer Sie Ihre Eignung für den Job unter Beweis stellen sollen. Nach einer Selbstpräsentation folgt in vielen Fällen eine Postkorbübung, eine Fallstudie und eine Gruppendiskussion. Auch ein Rollenspiel ist nicht unüblich. Am Ende erhalten Sie dann ein Feedback vom Leiter.

Im Einstellungsgespräch werden Sie dann noch mal genauer unter die Lupe genommen. Es geht zum einen darum, Ihre fachliche Eignung herauszufinden und zum anderen um Ihre Persönlichkeit. Wer sind Sie und was macht Sie einzigartig? Wieso sollte das Finanzamt mit Ihnen zusammenarbeiten wollen?

Fragen, auf die Sie sich gefasst machen können, sind diese:

Erzählen Sie uns etwas über sich selbst

Vor kurzen habe ich die Schule mit dem Abitur verlassen. Ich habe als Stufenbester eine Durchschnittsnote von 1,2 erreicht, was mich sehr gefreut hat. Meine Leistungskurse in Mathe und Deutsch haben einen Großteil dazu beigetragen. In meiner Familie gibt es zwei Finanzbeamte, meinen Vater und meinen Onkel. Sie haben mir schon früh vieles über diesen Beruf erzählt. So war ich mir schon mit 15 Jahren sicher, dass auch ich gern eine Ausbildung zum Finanzbeamten im mittleren Dienst absolvieren möchte. Da ich sehr gern mit Zahlen jongliere und es mag, sehr strukturiert und organisiert zu arbeiten, ist es genau das Richtige für mich.

Warum werden Solidaritätssteuern erhoben?

Seit 1991 wird der Solidaritätszuschlag auf Einkommens-, Körperschafts- und Kapitalertragssteuer erhoben. Er wird deshalb veranschlagt, um den Aufbau der neuen Bundesländer zu unterstützen.

Wer muss Umsatzsteuer zahlen?

Generell muss jeder selbständige Unternehmer die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. So sind Kleinunternehmer bis zu einer Umsatzgrenze von 17.500 EUR im Jahr und 50.000 EUR im Folgejahr von der Umsatzsteuer befreit.

Welche Aufgaben hat ein Finanzamt?

Es ist für die Festsetzung und Erhebung von Steuern und damit für die Finanz- und Steuerverwaltung zuständig.

Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?

Meine Stärke liegt wohl darin, dass ich ein sehr strukturierter und ordnungsliebender Mensch mit. Ich weiß dadurch immer, wo ich suchen muss, wenn mal etwas abhanden kommt. Außerdem kann ich mir sehr gut Dinge merken. Eine Schwäche von mir ist, dass ich manchmal zu viel auf einmal erledigen möchte. Ich arbeite aber bereits daran.

Wie verhalten Sie sich im Konfliktfall?

Wenn es zu Streitereien und Konflikten kommt, bin ich für einen offenen Umgang miteinander. Ich denke, dass man so das Problem meist schnell wieder aus dem Weg schaffen kann. Wochenlanges Schweigen oder Reden hinter dem Rücken von Betroffenen finde ich gar nicht gut. Bei einem direkten Streit, womöglich mit verbalen Angriffen, versuche ich zu beruhigen und zu schlichten. Haben sich die Gemüter einmal entspannt, kann man nach Lösungen suchen. Es gibt meiner Meinung nach immer einen Ausweg.

Wie sieht Ihre Zukunft in fünf Jahren aus?

Ich könnte mir vorstellen, dass ich nach meiner Ausbildung für den mittleren Dienst eine Weiterbildung in den gehobenen Dienst absolviert habe. Auch die Übernahme einer Leitungsfunktion wäre schön.

Fragen zum Allgemeinwissen

Häufig kommt es vor, dass Ihnen auch Fragen zu Ihrem Allgemeinwissen gestellt werden. Es wird zum Beispiel geschaut, inwieweit Sie sich im aktuellen politischen Weltgeschehen auskennen. Auch kann es sein, dass man Sie etwas über Ihr geografisches Wissen fragt. Für diesen Teil sollten Sie sich gut vorbereiten, indem Sie die Zeitung lesen oder Nachrichten schauen.

 

Vorstellungsgespräch Fragen können von diesen Beispielen abweichen. Es kommt vor allem auf die Position an, auf die Sie sich bewerben. Als Auszubildender sind Sie noch Neuling auf dem Gebiet der Finanzen und dementsprechend werden Fragen gestellt, die zu Ihrer aktuellen Lebenssituation passen. Sehen Sie sie als eine Hilfe an. Anhand dieser können Sie gut abschätzen, was Sie in Ihrem eigenen Interview erwarten wird.

 

So kommen Sie verantwortungsvoll rüber

Um Ihr Verantwortungsbewusstsein dem Finanzamt gegenüber zu beweisen, können Sie unterschiedlich vorgehen. Zum einen könnten Sie anhand von Beispielen aus Ihrer bisherigen Laufbahn zeigen, dass Sie zu Ihrem Wort stehen. Die Personaler sollten erkennen können, dass Sie nicht ständig Ihre Meinung ändern. Gut ist außerdem, wenn Sie an konkreten Projekten aus der Vergangenheit Ihr verantwortungsbewusstes Handeln demonstrieren können.

Wenn Sie beispielsweise schon in der Schule Projekte geleitet haben, zeigt das Ihre Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Sie könnten erklären, worum es sich handelte und Ihr Vorgehen bei Problemen und Schwierigkeiten erläutern. Wichtig ist, dass Sie andere nicht in Ihrem Fehlverhalten oder ähnlichem beschuldigen. Damit würden Sie die Verantwortung wieder von sich weg auf andere schieben.

Direkt auf den Beruf als Finanzbeamter bezogen könnten Sie auch über Ihren eigenen Umgang mit Finanzen und Steuern sprechen. Geben Sie dem Personal Verantwortlichen den Eindruck, dass er mit Ihnen rechnen kann. Seien Sie dabei auf jeden Fall ehrlich!

 

Tipps zum Schluss

  • Stellen Sie eigene Fragen am Schluss
  • Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und Mimik
  • Halten Sie einen angenehmen Blickkontakt
  • Seien Sie 15 Minuten vor dem Gespräch da
  • Kleiden Sie sich angemessen

 

In diesem Beitrag haben Sie gelesen, was Sie in einem Vorstellungsgespräch beim Finanzamt erwarten könnte und wie Sie mit der richtigen Vorbereitung punkten können. Ihnen ist klar geworden, dass vor allem Verantwortungsbewusstsein eine wichtige Eigenschaft für diesen Beruf darstellt und Sie wissen, wie Sie diese zeigen können. Ebenso sind Ihnen die Aufgaben und Voraussetzungen für einen Job im Finanzamt deutlich geworden. Jetzt sind Sie dran. Bereiten Sie sich noch heute vor und Sie werden schon in den nächsten Wochen das Vorstellungsgespräch meistern. Viel Erfolg dabei!