Einstellungsinterview beim Amtsgericht Tipps

Auf diese Fragen müssen Sie im Einstellungsinterview beim Amtsgericht gefasst sein.

Wenn Sie ein Einstellungsinterview beim Amtsgericht erwartet, machen Sie sich sicher Gedanken, mit welchen Fragen Sie in dem Gespräch rechnen müssen.

Mit den Informationen aus diesem Beitrag bereiten Sie sich umfassend auf das Bewerbungsgespräch vor. So meistern Sie die Fragen des Personalverantwortlichen mit links und überzeugen diesen davon, Sie als Justizfachangestellte/n einzustellen.

Mit diesem Artikel verschaffen Sie sich einen Überblick über das Berufsbild sowie über die Ausbildung zum/zur Justizfachangestellten. Sie lernen etwas über das Gehalt im Amtsgericht sowie über mögliche Aufstiegschancen. Außerdem erfahren Sie, mit welchen Fragen Sie im Einstellungsinterview beim Amtsgericht definitiv rechnen müssen.

Die Aufgaben des/der Justizfachangestellten

  • Als Verwaltungsfachangestellte/r sind Sie für die mit den Gerichtsverfahren verbundenen organisatorischen und administrativen Aufgaben verantwortlich.
  • Sie überwachen Fristen, verwalten Akten und nehmen Erklärungen sowie Anträge auf.
  • Darüber hinaus sind Sie Ansprechpartner für Bürger und Sie erledigen anfallende Büro- und Sekretariatsaufgaben.
  • Ebenso sind Sie bei Gerichtsprozessen anwesend und führen Protokoll oder beglaubigen die Abschriften, ehe eine Gerichtsentscheidung gefällt werden kann.

 

  • Merke: Im Amtsgericht kommt Ihnen ein breites Aufgabenspektrum zu. Neben diesem Vorteil profitieren Sie von geregelten Arbeitszeiten sowie von der Möglichkeit, verbeamtet zu werden. Mehr hierzu im weiteren Verlauf des Artikels.

 

Das müssen Sie für den Beruf mitbringen

Aus den obigen Aufgaben ergibt sich das folgende Anforderungsprofil an Justizfachangestellte.

  • Sorgfältige, genaue Arbeitsweise
  • Gute Selbstorganisation
  • Großes Verantwortungsbewusstsein
  • Vorliebe für die Arbeit im Büro
  • Gute Noten in Mathematik und Deutsch

 

  • Tipp: Als Justizfachangestellte/r können Sie nicht nur im Amtsgericht, sondern beispielsweise auch in einer Rechtsanwaltskanzlei oder in einem Notariat tätig sein.

 

Die Ausbildung auf einen Blick

  • Die Ausbildung zum/zur Justizfachangestellten dauert drei Jahre.
  • Es handelt sich um eine duale Ausbildung, die sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule absolviert wird.
  • Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht als Voraussetzung vorgeschrieben.
  • Dennoch setzen viele Amtsgerichte und andere Arbeitgeber das (Fach-)Abitur voraus.
  • Schwerpunkte während der drei Jahre sind unter anderem juristisches Fachwissen sowie die Kosten- und Zinsrechnung.
  • Im zweiten Ausbildungsjahr erfolgt eine schriftliche Zwischenprüfung.
  • Die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung umfasst einen schriftlichen und einen praktischen Teil.
  • Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung erlangt man den Grad Staatlich anerkannte/r Justizfachangestellte/r.

 

  • Gut zu wissen: Die Ausbildung zur/zum Justizfachangestellten dauert drei Jahre, kann in einigen Bundesländern – unter bestimmten Voraussetzungen – aber auf zwei Jahre verkürzt werden.

 

Einstellungsinterview Amtsgericht – das können Sie verdienen

Haben Sie das Vorstellungsgespräch erfolgreich hinter sich gebracht und den Personaler von sich überzeugt, hängt Ihr genauer Verdienst von Ihrer tariflichen Vergütungsgruppe sowie von dem Arbeitgeber und dem Bundesland ab, in dem Sie den Beruf ausüben:

  • Unmittelbar nach der Ausbildung werden Sie in die niedrigste Verdienstgruppe eingeordnet, sodass der Lohn bei 2.000 bis 2.800 Euro brutto im Monat liegt.
  • Mit langjähriger Berufserfahrung sind bis zu 3.000 Euro brutto monatlich möglich.
  • Das höchste Durchschnittsgehalt erhalten Justizfachangestellte in Hessen. Hier beträgt der Lohn durchschnittlich 2.650 Euro brutto im Monat.

 

Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst

In dem Beruf des/der Justizfachangestellten stehen Ihnen einige Weiterbildungsmöglichkeiten zur Auswahl. Eine dieser Möglichkeiten ist, wie bereits erwähnt, die Verbeamtung.

Um Beamter/Beamtin im mittleren Dienst werden zu können, müssen Sie jünger als 28 Jahre sein; Sie müssen sich auf die Verbeamtung bewerben und ein Auswahlverfahren absolvieren. Haben Sie dieses Verfahren erfolgreich hinter sich gebracht und wurden Sie für die Verbeamtung angenommen, starten Sie mit dem sogenannten Vorbereitungsdienst. Dieser Dienst dauert, je nach Bundesland, zwischen 1,5 und 2,5 Jahren.

 

  • Wichtig: Während Ihres Vorbereitungsdienstes zum Beamten/zur Beamtin verdienen Sie, je nach Bundesland, 1.000 bis 1.200 Euro brutto im Monat. Sobald die Zeit des Vorbereitungsdienstes vorbei ist, steigt Ihr Gehalt wieder an.

 

Rechtswissenschaften studieren

Eine weitere Möglichkeit, um sich als Justizfachangestellte/r weiterzubilden, ist das Jurastudium. Allerdings schaffen es nur die wenigsten, diese Form der Ausbildung berufsbegleitend zu absolvieren. Immerhin handelt es sich um einen sehr lernintensiven Studiengang, dessen Regelstudienzeit bei neun Semestern liegt! Um für das Studium zugelassen zu werden, müssen Sie ein sehr gutes Abiturzeugnis haben; teilweise besteht ein Numerus clausus als Zulassungsbeschränkung.

 

  • Tipp: Wenn Sie kein Abitur haben, können Sie sich, je nach Universität, auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung samt Berufserfahrung auf ein Jurastudium bewerben.

 

Einstellungsinterview Amtsgericht – mit diesen Fragen müssen Sie rechnen

In den folgenden Abschnitten verschaffen Sie sich einen Überblick über eine Liste mit Fragen, die häufig in einem Vorstellungsgespräch beim Amtsgericht gestellt werden. Bereiten Sie sich auf diese Fragen vor, um den Mitbewerbern um die Stelle einen Schritt voraus zu sein.

 

Aller Anfang ist allgemein

Der Einstieg in das Bewerbungsgespräch erfolgt meist über die Aufforderung, etwas über sich zu erzählen.

Um angemessen und sachlich auf diese Frage reagieren zu können, sollten Sie sich bereits vor dem Gespräch einige Aspekte zurechtlegen, die Sie thematisieren wollen. Erläutern Sie Ihre Arbeitsweise und machen Sie Angaben zu Ihren Hobbys. Zudem können Sie Ihre Stärken hervorheben. Wählen Sie dabei in erster Linie Themen, die für Ihre Arbeit im Amtsgericht von Bedeutung sind. Die angesprochenen Aspekte sollten dem Recruiter möglichst etwas über Ihre Motivation und Ihre Zielstrebigkeit verraten.

 

Mögliche Antwort:

„Ich arbeite sehr gerne in einem Büro und pflege eine zuverlässige, selbstorganisierte Arbeitsweise. Darüber hinaus schreiben mir Freunde und Bekannte ein großes Verantwortungsbewusstsein zu.“

 

  • Hinweis: Haben Sie sich gut auf solche offenen Fragen vorbereitet, können Sie im Vorstellungsgespräch durch einen souveränen Auftritt überzeugen.

 

Der Lauf Ihres Lebens

In einem zweiten Schritt bitten vielen Personaler den/die Jobinteressierte/n darum, seinen/ihren Lebenslauf zu erläutern.

Um den CV sachlich und möglichst professionell schildern zu können, müssen Sie die einzelnen Abschnitte Ihres Lebens aus dem Effeff kennen. Beziehen Sie Ihre Erfahrungen stets auf die angestrebte Stelle und versuchen Sie, das Vorstellungsgespräch durch die eine oder andere Anekdote aufzulockern.

 

Antwortmöglichkeit:

„Während meiner Zeit beim Arbeitgeber XY war ich der erste Ansprechpartner für die Kunden; ich habe organisatorische Aufgaben erledigt und Akten sowie Anträge verwaltet. Ich bin mir sicher, dass diese Erfahrungen sehr hilfreich für die von Ihnen angebotene Stelle sind.“

 

„Warum haben Sie sich bei uns beworben?“

Erkundigt sich der Personalchef nach dem Grund, warum Sie sich bei diesem Amtsgericht beworben haben, zielt er darauf ab, zu erfahren, ob Sie sich ausreichend mit der Stelle beschäftigt haben.

Beantworten Sie die Frage, indem Sie die Informationen über das Amtsgericht mit Ihren persönlichen Qualifikationen verknüpfen. Dass Sie die Aufgabe interessant finden, sollten Sie nicht erwähnen. Ihr Interesse an der Tätigkeit haben Sie nämlich bereits durch Ihre Bewerbung bekräftigt.

 

Beispielantwort:

„Um die vielfältigen Aufgaben in Ihrem Amtsgericht erfüllen zu können, sind eine gute Selbstorganisation und eine genaue Arbeitsweise erforderlich. Während meiner Anstellung beim Arbeitgeber XY konnte ich bereits Erfahrungen in diversen Sekretariats- und Büroaufgaben sammeln“.

 

“Wieso sind Sie der/die Richtige für den Job?“

Vermeiden Sie es, sich bei der Antwort auf die anderen Bewerber zu beziehen. Bleiben Sie stattdessen sachlich und verweisen Sie auf Ihre Persönlichkeit sowie auf Ihre zur Stellenausschreibung passenden Qualifikationen. Darüber hinaus können Sie erläutern, wie das Amtsgericht im Einzelnen von Ihrer Person profitiert.

 

Musterantwort:

„In der Stellenausschreibung werden eine zuverlässige Arbeitsweise sowie eine gute Selbstorganisation verlangt. Ich zeichne mich durch diese und weitere Eigenschaften aus. Dies lässt sich gut anhand meiner Anstellung beim Betrieb XY nachvollziehen. Sie profitieren beispielsweise auch von der Art, wie ich im Erstkontakt mit anderen Personen umgehe.“

 

  • Wichtig: Verzichten Sie auf Aussagen, wie “Ganz einfach, weil ich der/die Beste bin“. Um die anderen Bewerber bei der Beantwortung der Frage außen vor zu lassen, sollte den Ausführungen eine Einleitung à la “Ob und wie sehr die anderen Bewerber für die Stelle geeignet sind, wissen nur Sie“ vorausgehen.

 

“Aus welchem Grund wollen Sie Ihre derzeitige Anstellung aufgeben?“

Mit dieser Frage möchte der Personaler Ihr Durchhaltevermögen testen. Ihre Antwort gibt Aufschluss darüber, ob Sie bei aufkommenden Problemen schnell aufgeben oder sich diesen stellen.

Liegt der Grund für den angestrebten Stellenwechsel in Konflikten am derzeitigen Arbeitsplatz, sollten Sie dies in dem Vorstellungsgespräch nicht erwähnen! Erklären Sie stattdessen, dass Sie sich neue berufliche Ziele gesetzt haben und auf der Suche nach neuen Herausforderungen sind.

 

Beispiel:

„Ich habe meine Zeit beim Arbeitgeber XY sehr genossen und dort wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ich fühle mich in dem Team auch nach wie vor wohl. Allerdings möchte ich mich neuen Herausforderungen stellen, um mich beruflich als auch persönlich weiterzuentwickeln.“

 

“Welche Rolle spielen Sie in einem Team?“

Legen Sie sich bei der Beantwortung dieser Frage nicht auf eine Rolle fest! Bekräftigen Sie stattdessen, dass Sie dazu in der Lage sind, verschiedene Rollen einzunehmen und dass Sie sich an wechselnde Anforderungen anpassen können. Verzichten Sie in jedem Fall darauf, sich in dem Einstellungsinterview als Führungsperson darzustellen.

 

„Eine meiner Stärken ist die Fähigkeit, mich wechselnden Anforderungen anzupassen. Das heißt, ich kann verschiedene Rollen einnehmen und mit einem heterogenen Team harmonieren.“

 

“Was sind Ihre drei größten Stärken und Schwächen?“

Präsentieren Sie Ihre persönlichen Stärken selbstbewusst, aber keinesfalls überschwänglich. Sie können beispielsweise erklären, dass Sie sehr zuverlässig und belastbar sind. Außerdem ist die Fähigkeit, sich schnell neues Wissen anzueignen, ein wichtiger Soft Skill. Ebenso können Sie erwähnen, dass Sie viel Spaß am Umgang mit Menschen haben.

 

„Meine größten Stärken sind der Spaß am Umgang mit Menschen und die Fähigkeit, mich schnell in neue Themen einzuarbeiten. Darüber hinaus bin ich sehr stressresistent und somit überdurchschnittlich belastbar.“

 

Seien Sie nicht zu ehrlich!

Bei der Frage nach Ihren drei größten Schwächen müssen Sie sich ein wenig “zurückhalten“. Natürlich ist niemand perfekt, es gibt aber ein paar Aspekte, die bei keinem Arbeitgeber gut ankommen. Hierzu zählen beispielsweise der Hang zur Unpünktlichkeit sowie eine geringe Arbeitsmotivation zum Wochenanfang.

Nennen Sie stattdessen Schwächen, die auch als Stärke ausgelegt werden können. Sie können zum Beispiel anführen, dass Sie schnell ungeduldig werden, wenn Dinge nicht pünktlich erledigt werden. Auf diese Weise vermitteln Sie, dass Sie viel Wert auf die Einhaltung von Terminen legen.

 

“Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“

Erkundigt sich der Personalverantwortliche nach Ihren beruflichen Plänen, möchte er herausfinden, wie weit Sie vorausdenken. Beachten Sie, dass sich Ihre Vorstellungen mit den Plänen des Amtsgerichts decken müssen. Das heißt, Sie sollten die Stellenausschreibung genau lesen, um Unannehmlichkeiten während des Einstellungsinterviews zu vermeiden.

 

Beispielformulierung:

„Meine beruflichen Ziele decken sich mit den Möglichkeiten der Stellenausschreibung. Mein Ziel ist es, in 5 Jahren …“

 

  • Tipp: Zeigen Sie sich flexibel und offen für alles Interessante, wie beispielsweise Weiterbildungsmöglichkeiten (siehe oben).

 

“Welches Gehalt schwebt Ihnen vor?“

Um angemessen auf diese Frage reagieren zu können, müssen Sie sich bereits vor dem Einstellungsinterview Amtsgericht über die gängigen Gehaltsniveaus in der Branche informieren. Begründen Sie Ihre Gehaltsvorstellung mit Ihren Qualifikationen und zeigen Sie sich verhandlungsbereit.

 

„Meine Gehaltsvorstellungen liegen bei XXX Euro brutto im Monat. Dieser Betrag ist verhandelbar, aufgrund meinen Qualifikationen halte ich diese Summe jedoch für angemessen.“

 

  • Gut zu wissen: Bei einem Stellenwechsel können Sie bis zu zehn Prozent mehr im Vergleich zu Ihrem alten Job fordern. Steigen Sie neu in den Beruf des/der Justizfachangestellten ein, stellt das Internet eine gute Quelle für die Recherche zum möglichen Gehalt dar.

 

Rückfragen sind wichtig!

“Haben Sie noch Fragen?“

Die Antwort auf diese Frage darf keinesfalls “nein“ lauten! Durch eine Verneinung vermitteln Sie nämlich den Eindruck von Desinteresse. Erkundigen Sie sich stattdessen nach Weiterbildungsmöglichkeiten oder nach der Möglichkeit, Ihren zukünftigen Arbeitsplatz kennenzulernen. Das zeugt von Engagement und Motivation. Ebenso können Sie sich erkundigen, was Ihre Aufgaben im Detail sein werden.

 

Beispiel-Frage:

„Ich würde sehr gerne meinen zukünftigen Arbeitsplatz kennenlernen. Darüber hinaus ist es mir wichtig, zu wissen, was meine Aufgaben im Einzelnen sein werden.“

 

 

Resümee zum Einstellungsinterview Amtsgericht

Was Sie in diesem Beitrag gelernt haben:

Sie kennen nun das Berufsbild des/der Justizfachangestellten und haben sich einen Überblick über die Ausbildung in dem Bereich verschafft. Zudem wissen Sie jetzt, mit welchem Gehalt Sie nach dem Einstellungsinterview beim Amtsgericht rechnen können und welche Aufstiegschancen beziehungsweise Weiterbildungsmöglichkeiten Sie haben.

Mit den vorgestellten Fragen und Hinweisen bereiten Sie sich optimal auf die Bewerbungsphase vor und überzeugen den Recruiter durch sachliche, professionelle Antworten.

Wir drücken Ihnen für das Vorstellungsgespräch die Daumen!